文化大革命和中国历史轮回——文化大革命四十周年祭:司马涛教授的德文翻译和引言)

Die Kulturrevolution und die historischen Zyklen in China

– zum 40. Jahrestag der Kulturrevolution

Hu Jingbei

Deutsche Übersetzung mit einer Einleitung von Prof. Dr. Thomas Zimmer

【注: 本人的“文化大革命和中国历史轮回——文化大革命四十周年祭”文章写成并发表于2006年10月。2026年10月在微信上重刊时,将文中的“四十年”改为“六十年”。司马涛教授(Prof. Dr. Thomas Zimmer)将2006年的这篇文章全文译成德文,并发表于德国巴符州德中协会主办的《China-Report》第45期(2007年1月)。他还为译文撰写了引言。我对此表示深切感谢。本次在微信上发表德译文,完整保留司马涛先生的引言和译文原貌,其中“四十周年”“今天”等表述均应按当时的历史背景理解。我另加了作者附注(见文末),对译文可能的不准确之处及有关版本差异作出说明。本文以中文原文为最终有效文本。——胡景北,2026年10月24日

Anmerkung:

Dieser Essay „Die Kulturrevolution und die historischen Zyklen in China– zum 40. Jahrestag der Kulturrevolution“ wurde im Oktober 2006 verfasst und veröffentlicht. Bei der erneuten Veröffentlichung der chinesischen Fassung auf WeChat im Oktober 2026 wurden die Zeitangaben von vierzig auf sechzig Jahre geändert. Prof. Dr. Thomas Zimmer hat den Essay von 2006 vollständig ins Deutsche übersetzt und in Heft 45 des von der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft Baden-Württemberg herausgegebenen „China-Report“ (Januar 2007) veröffentlicht. Er hat dazu auch eine Einleitung verfasst. Dafür gilt ihm mein herzlicher Dank. Bei der jetzigen Veröffentlichung der deutschen Fassung auf WeChat bleiben seine Einleitung und seine Übersetzung vollständig und im ursprünglichen Wortlaut erhalten. Die Angabe „zum 40. Jahrestag“ sowie zeitbezogene Ausdrücke wie „heute“ sind im damaligen historischen Kontext zu verstehen. Ich habe eigene Anmerkungen hinzugefügt (siehe am Ende des Textes), in denen ich auf mögliche Ungenauigkeiten der Übersetzung sowie auf Unterschiede zwischen den Textfassungen eingehe. Maßgeblich bleibt die chinesische Originalfassung.      Hu Jingbei, den 24. Oktober 2026】

Die Kulturrevolution und die historischen Zyklen in China

– zum 40. Jahrestag der Kulturrevolution

Hu Jingbei (Shanghai)

 aus dem Chinesischen

mit einer Einleitung von Thomas Zimmer

Prof. Dr. Thomas Zimmer

Einleitung

Die Kulturrevolution ist nicht vergessen, und doch ist der 40. Jahrestag ihres Ausbruchs in China nahezu unbemerkt vorübergegangen. Ein geheimes Treffen chinesischer Wissenschaftler im Frühjahr 2006 in Peking, der eine oder andere Hinweis in der Presse, hin und wieder ein Buch zu dem traurigen Jubiläum (z.B. die Notizen des vormaligen Reporters der Volkszeitung Ji Xichen unter dem Titel Ein Zeitalter ohne historisches Vorbild, Peking 2006) – man schien nicht viel Aufhebens um die Erinnerung an die „zehn katastrophalen Jahre“ machen zu wollen. Dabei hat es in den 80er Jahren schon einmal die eine oder andere Veröffentlichung zur Kulturrevolution gegeben, doch damals wie heute (vgl. die eben angeführten Notizen des Reporters) handelt es sich vielfach um Darstellungen mit biographischem Schwerpunkt. Wie ein roter Faden ziehen sich die Schilderungen vom Leid der Opfer durch diese Werke. Die häufige Konzentration auf Angehörige des Pekinger Machtzirkels erlaubt zwar interessante Blicke hinter die Kulissen, doch wird dabei die Sicht auf die Verbreitung der Gewalt in der Gesellschaft insgesamt verstellt. Literarisch ist das Thema Kulturrevolution dagegen in einigen Werken der „Narbenliteratur“ ebenfalls in den 80er Jahren umgesetzt worden, doch nehmen sich des Zeithintergrundes gelegentlich auch noch Verfasser unserer Tage an, wie das Beispiel des vor einigen Jahren erschienenen Buches Geständnisse eines Rotgardisten von Liang Xiaosheng zeigt, in dem interessanterweise einmal eine „Täterperspektive“ geboten wird.

Theoretische Auseinandersetzungen mit der Kulturrevolution hat es in China dagegen nur gelegentlich zu Zeiten gegeben, in denen ein milderes politisches Klima herrschte. Ansonsten haben sich vornehmlich Exilchinesen, Autoren aus Taiwan und Hongkong sowie Sinologen mit dem Thema befasst und dazu etwas veröffentlicht.

Hu Jingbeis Artikel, der vor kurzem auf Hus chinesischer Internetseite erschienen ist und vielfältige Reaktionen der Leser ausgelöst hat, ist als der Versuch zu verstehen, der Diskussion über die Vergangenheit neue Impulse zu verleihen.

Der Gedanke, in den Erscheinungen der Kulturrevolution auch etwas Gutes zu sehen und die eruptive Gewalt von unten als demokratischen Impuls aufzufassen, ist in der chinesischen Diskussion nicht neu und immer wieder einmal von den Angehörigen der „Neuen Linken“ geäußert worden. Man mag das durchaus anders sehen: nach unserem westlichen Verständnis fehlt hier noch das eine oder andere fundamentale Element, um von einer „funktionierenden Demokratie“ sprechen zu können: die Beachtung eines demokratischen Verfahrens, die Einhaltung von Gesetzen, die Achtung der Würde anderer usw. Aber womöglich ist es gerade das, was Hu mit seinem Artikel bezweckt: das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass ein Bedürfnis der Menschen in China nach Demokratie weiterhin vorhanden ist, dass der Impuls, der damals in der Kulturrevolution schon deutlich existiert hat und dann allerdings in einer ungeregelten Form zum Ausdruck kam, noch wach ist und dass man in China heute endlich damit beginnen muß darüber nachzudenken, wie sich geregelte demokratische Abläufe entwerfen lassen, die für den Staat, die Partei und die Bürger gleichermaßen Verbindlichkeit besitzen.

Die Kulturrevolution und die historischen Zyklen in China

—-Zum 40. Jahrestag der Kulturrevolution

Hu Jingbei

(Shanghai)

Im Jahre 1966, vor genau 40 Jahren, begann die „Große Proletarische Kulturrevolution“, die Mao Zedong selbst in Gang gesetzt hatte und die er leitete. Ab diesem Jahr wurden an den Mittelschulen und Universitäten in ganz China keine neuen Schüler und Studenten mehr aufgenommen. Mehrere Millionen Absolventen der sechsjährigen Grundschule, die ursprünglich im Herbst 1966 hätten an den Mittelschulen Aufnahme finden sollen, mußten damit bis zum Jahr 1969 warten.

Ich hatte das Glück, im Jahre 1965 mit dem Besuch der Mittelschule begonnen zu haben, und obwohl es mir nicht beschieden war, die „Pariser Kommune“, die „Oktoberrevolution“ und „den Sieg über den Banditen Tschiang Kai-shek“ mitzuerleben, so durfte ich mich doch glücklich schätzen, die Mittelschule besuchen zu dürfen und die Kulturrevolution sowie die „Erledigung Liu Shaoqis“ hautnah mitverfolgen zu können. Zig Millionen von Schülern, Studenten und Menschen überall in China übten sich bis 1968 in der Revolution. In diesem Jahr zeigte sich, dass man mit der Revolution in eine Sackgasse geraten war, es waren das Land und die Dörfer, die zum einzigen Rückzugsort für die Schüler und Studenten aus den Städten wurden.

In meiner Erinnerung umfasst die Kulturrevolution die beiden Jahre von 1966 bis 1968 – eben die Jahre, in denen es besonders stürmisch zuging, in denen man weder die Schule besuchte noch arbeitete, sondern in denen alle Schüler und Studenten zu Berufsrevolutionären wurden. Wenn heute von den zehn Jahren der Kulturrevolution die Rede ist, dann beinhaltet das auch immer die sieben Jahre von 1969 bis 1976. Doch recht betrachtet, sind diese sieben Jahre für die „Roten Garden“, die „Anhänger Kapitalismus“ und die Geschichte Chinas von keiner allzu großen Bedeutung, denn sie bildeten nur den schwachen Ausläufer einer anfangs mächtigen Bewegung. Die Kulturrevolution existierte zu dieser Zeit nur noch dem Namen nach und allein aus dem Grunde, da Mao Zedong nicht den Mut besaß, ihr Ende zu verkünden.

Heute, vierzig Jahre später, kann ich mich immer noch deutlich an den Tag des 18. Oktober 1966 erinnern, als ich gemeinsam mit einer Million Roter Garden Zeuge davon wurde, wie unsere Parade von Mao Zedong abgenommen wurde. Mir fällt dabei wieder eine Szene aus Tolstois Krieg und Frieden ein, in der Rostov bei der Abnahme einer Parade durch den Zaren denkt, daß diese ganze riesige Armee zusammen mit ihm, Rostov (der sich bei aller Verbundenheit mit der Armee doch auch nur als winzigen und unbedeutenden Teil von dieser empfand), auf ein einziges Wort des Zaren hin für diesen durch das Feuer gehen, Verbrechen ausüben, sich todesmutig in den Kampf stürzen oder vielleicht auch heldenhafte Erfolge erzielen würde. Im Roman überkommt Rostov beim Anblick jenes Mannes, der dieses mächtige Wort verkörperte, ein Schauer. Jawohl, auch die Erinnerungen an die Kulturrevolution durch jene, die sie persönlich miterlebt haben, verursacht einem heute unwillkürlich Zittern und Herzklopfen. Tolstois Roman war vor Ausbruch der Kulturrevolution nicht verboten. Wenn also jemand wie ich, der damals im Jahre 1966 dreizehn Jahre alt war nicht wusste, dass mittels einer riesigen Massenbewegung ebenso großartige und heldenhafte Erfolge auf der einen Seite wie grausame und abscheuliche Verbrechen auf der anderen Seite hervorgerufen werden konnten, so mochte das angehen; aber sollten nicht wenigstens die Universitätsstudenten und die Erwachsenen, die Tolstoi gelesen hatten, davon etwas wissen? Unser Klassenlehrer war damals der Russischlehrer, der hatte doch bestimmt Tolstoi gelesen. Aber warum hatte er uns nicht beigebracht, dass die Aussage, eine „Massenbewegung besitzt von Natur aus Gültigkeit“ nicht unbedingt richtig war? Selbstverständlich wäre der Mann, wenn er diese Aussage damals zu Zeiten der Kulturrevolution gemacht hätte als Konterrevolutionär und Gegner der „Großen Proletarischen Kulturrevolution“ kritisiert und bekämpft worden. Doch warum hatte er mit uns nicht schon früher, bevor die Dinge so stark eskalierten, einmal über Tolstoi gesprochen? Heute bin ich selbst ein Erwachsener. Ich habe Tolstoi gelesen, und obgleich ich in einer Gesellschaft lebe, in der das Recht auf freie Rede beschnitten ist, muß ich doch anerkennen, daß es heute immerhin viel toleranter zugeht als zu den Zeiten der Kulturrevolution. Daher bin ich – immer eingedenk der Tatsache, dass man die Zukunft zwar nicht voraussagen kann, dass jedoch eine Wiederholung der Geschichte immer möglich ist – bereit, meine Erfahrungen über die Kulturrevolution mitzuteilen, und zwar nicht zuletzt den Jugendlichen und jungen Menschen, die die Kulturrevolution nicht verstehen können und denen auch mein Tagebuch aus jeder Zeit nichts mehr sagt.

Ich bin der Ansicht, dass die Kulturrevolution auf der einen Seite ein grausames Mittel darstellte, mit dem Mao Zedong die Herrschaft durch seine Person festigte; auf der anderen Seite stellte sie den barbarischen Versuch des chinesischen Volkes dar, eine ideale Gesellschaft zu errichten. Einerseits stellte die Kulturrevolution dadurch, dass sie die Verwirklichung des Kommunismus im 20. Jahrhundert auf die Spitze trieb, dessen Undurchführbarkeit unter Beweis; andererseits trieb sie die wechselhaften Veränderungen der chinesischen Geschichte im 20. Jahrhundert ins Extreme und verlieh dem künftigen historischen Fortschritt Chinas damit mehr Veränderungsmöglichkeiten und mehr Risiken. Die Besonderheit der Kulturrevolution besteht darin, dass sie eine Form des das ganze Volk umfassenden roten Terrors darstellt sowie eine Form teilweiser politischer Freiheit eben für das Volk. Ich werde meine Auffassungen zur Kulturrevolution und über ihre Verbindungen zu den historischen Kreisläufen in China besonders mit Blick auf diese beiden Besonderheiten entwickeln.

1 Die Kulturrevolution: Roter Terror

Es steht vollkommen außer Frage, dass die Kulturrevolution eine der diktatorischsten Momente in der chinesischen Geschichte darstellt. In dieser Zeit waren allein die Taten und Gedanken Mao Zedongs der einzig gültige Maßstab für das Handeln und Denken. Alle Handlungen, die gegen Maos Worte und Gedanken verstießen, galten als konterrevolutionär und wurden unverzüglich unter Gewaltanwendung bestraft. Ähnliche Momente hatte es in der chinesischen Geschichte zwar bereits gegeben, doch war dabei nie solch ein hohes Maß an Gewalt wie in der Kulturrevolution an den Tag gelegt worden. Dies hatte seinen Grund darin, dass die Kulturrevolution im Vergleich zu den gewöhnlichen diktatorischen Erscheinungen in der Geschichte zwei klare Unterschiede aufwies: 1. Die Kulturrevolution trat in einer in höchstem Maße durchorganisierten Gesellschaft auf. Jeder Chinese war in Arbeitseinheiten der Fabriken, Schulen, Produktionsbrigaden usw. organisiert. Selbst die Belange der Alten und Kinder wurden in den Einwohnerkomitees oder den Produktionsbrigaden geregelt. Mittels eines Organisationssystems, das die Gesellschaft vollkommen durchdrang, gelangten die Gedanken Mao Zedongs vollkommen bis in die letzten Winkel der Gesellschaft. Da jeder jeden überwachte, konnten alle abschätzigen Worte und Taten gegenüber Mao Zedong aufgedeckt und öffentlich bestraft werden. Die Roten Garden stellten dabei eine jugendliche Massenorganisation dar, in der man Mao Zedong vollkommen verehrte. Es war eine ihrer obersten Aufgaben abschätzige Worte und Taten aufzudecken und zu ahnden. 2. Die Menschen in China erkannten die Herrschaft Maos nicht nur in ihren Gedanken an, sondern identifizierten sich mit ihr auch emotional. Mao Zedong galt als der große Retter Chinas. Jeden Morgen hörte man die Melodie „Der Osten ist rot“, die als eine „Vertonung der Worte des Vorsitzenden Mao“ eine der großen Besonderheit in der Kulturrevolution darstellte. Überall fanden Veranstaltungen statt, auf denen Menschen z.B. über die „Bitternis in der alten Gesellschaft“ klagten und der „Errungenschaften des neuen China“ gedachten. Oder man ließ sich über die eigenen seelischen Veränderungen vor dem Hintergrund der „Niederringung egoistischer Gedanken“ und der „Kritik am Revisionismus“ aus. Die totale Beherrschung selbst rein individuell-menschlicher Bereiche wie Schule und Studium, Arbeit, Kleidung und Freizeit – ja sogar die Liebe (d.h. die proletarische Liebe) durch die Politik führte dazu, dass gleichzeitig mit der starken Unterdrückung der alltäglichen Gefühle der Menschen die Bedürfnisse nach Liebe und seelischer Anteilnahme in individuelle Gefühle gegenüber Mao Zedong verwandelt wurden. Es war vor allem dieser zweite Aspekt, demzufolge die Überwachung jedes Menschen durch jeden anderen zu einem ganz bewußten Verhalten im Volke wurde. Und es war auch dieser zweite Aspekt, der später nach dem Tode Mao Zedongs dafür sorgte, dass Menschen, die Mao niemals persönlich begegnet waren, in großes Wehklagen ausbrachen und viele Tränen vergossen. Auch dass die Roten Garden, die nach 1968 viel durchzumachen hatten, ihre Gefühle gegenüber Mao Zedong nicht aufgeben konnten gleich der Mehrheit der Menschen, die die erste Liebe nicht vergisst, hat eben  hierin ihre Ursache.

Der Charakter der Herrschaft, die in der Kulturrevolution ausgeübt wurde, lässt sich mit einem Wort folgendermaßen umschreiben: „Roter Terror“ – übrigens eine Vokabel, derer sich die Roten Garden mit Stolz bedienten und die eine Art und Weise der Revolution bezeichnete, mit der die Verwirklichung der revolutionären Ideale garantiert wurde. Der Rote Terror stand im Gegensatz zu dem, was die Roten Garden mit Blick auf die 20er und 30er Jahre in China als den „Weißen Terror“ bezeichneten. Doch der Weiße Terror jener Zeit hatte immerhin noch dem Schriftsteller und Lehrer Lu Xun (1881-1936) eine Existenz ermöglicht, auch konnten die Professoren öffentlich ihre Ansichten verbreiten und bekunden, dass ihre Konzepte dem Marxismus zuzurechnen waren. Der Rote Terror dagegen legte fest, dass alle Worte und Taten, die nicht marxistisch waren, Ansichten darstellten, die gegen die Große Proletarische Kulturrevolution gerichtet waren. Daß solche Worte und Taten nicht öffentlich kundgetan werden durften, versteht sich von selbst. Doch selbst Partner, Kinder und Freunde, denen privat derartiges zur Kenntnis kam, waren aufgefordert, die Person, die das geäußert hatte, bekanntzugeben, denn derartige Äußerungen standen unter Strafe. Wichtiger ist aber, dass diese Bestrafungen zuallererst gewaltsam vorgenommen wurden und nicht auf die sprachliche und administrative Ebene beschränkt blieben. Daher trifft die Feststellung zu, dass der Rote Terror ein neues Ausmaß an Terror darstellte, wie man es bis dahin in der chinesischen Geschichte nicht gekannt hatte. Selbstverständlich war es auch vor der Kulturrevolution nicht erlaubt gewesen, nicht marxistische Auffassungen in der Presse und in den Hörsälen vorzutragen. Doch die Kulturrevolution wurde in dieser Hinsicht zu einem Extrem. Außer Mao Zedong und seinem Stellvertreter Lin Biao (1907-1971) musste jeder befürchten, da seine Schriften womöglich einmal einer kritischen Überprüfung unterworfen würden. Die Worte und Taten ganz gleich von wem konnten einer schonungslosen Offenlegung unterzogen werden, um zweifelhafte Dinge ans Tageslicht zu bringen, die gegen Mao gerichtet waren. Wurde tatsächlich etwas gefunden, dann musste der Betreffende nicht nur den Verlust seiner Würde befürchten, sondern hatte auch körperliche Verletzungen hinzunehmen. Der Selbstmord von vielen Schriftstellern und Intellektuellen wie Lao She (1899-1966) oder Fu Lei (1908-1966) in der Zeit der Kulturrevolution, der Tod von zahlreichen Männern wie Staatspräsident Liu Shaoqi (1898-1969) und dem ehemaligen Verteidigungsminister Peng Dehuai (1898-1974) hatte sicherlich nicht nur etwas mit dem Verlust der Würde zu tun, sondern lag zuvorderst daran, dass sie die körperliche Peinigung nicht länger ertragen konnten. An der Mittelschule Nr. 9, die ich in Nanking besuchte, haben sich während der Kulturrevolution eine ganze Reihe von Lehrern umgebracht. Der direkte Grund dafür war nicht die Kritik an ihnen auf Wandzeitungen, sondern die Gewalt, die man ihnen gegenüber ausübte oder mit der man ihnen drohte. Die Herrschaft, die in der Kulturrevolution ausgeübt wurde, war in besonderem Maße eine des Terrors, dies steht nicht nur heute außer Frage, daran wird auch in tausend Jahren niemand zweifeln können. Ganz gleich welche festlandschinesische Zeitung aus der Zeit zwischen 1966 und 1968 man aufschlägt – der erste Eindruck, den der Leser erhält, ist der des Terrors, der der absoluten Macht Maos, erkennbar allein schon an apodiktischen Bemerkungen wie der, daß Maos Äußerungen „Satz für Satz die Wahrheit“ bedeuteten. Weiter ist da noch die Form höchster Verehrung gegenüber Mao Zedong durch die Roten Garden und die gewöhnliche Bevölkerung Chinas anzuführen sowie die willkürliche Bezeichnung von Menschen als „kapitalistische Parteigänger“ oder „Ochsendämonen“ und „Schlangengeister“ und die daraus folgende Bestrafung. Das alles war Ausdruck eines inhumanen und vollkommen irrationalen Terrors.

2 Teilweise politische Freiheit

Gleichzeitig mit der Konstatierung des Terror-Charakters der Kulturrevolution möchte ich auf den Aspekt der Freiheit verweisen. Im offiziellen Sprachgebrauch handelte es sich bei der Kulturrevolution um „Unruhen“. Unruhe führt zu heftigen Bewegungen, heftige Bewegungen wiederum legen Freiheiten nahe, sind ohne Handlungs- und Bewegungsfreiheit nicht vorstellbar. Wer wollte heftige Bewegungen ohne die Freiheit der Gedanken ausführen? Erst wenn man die Freiheit dazu hat, kann man sich ungehindert bewegen. Erst die unbehinderten Bewegungen von mehreren hundert Millionen Chinesen führten zu Unruhen. Doch die Freiheit der Handlung und der Gedanken, von der hier die Rede ist, muß mit den Phänomenen der Herrschaft und des Terrors, von denen im vorstehenden Abschnitt die Rede war, in Einklang gebracht werden. Ansonsten bleibt uns die Kulturrevolution unverständlich.

Die chinesische Herrschaft wird oft in abstrakter Form als staatliche Herrschaft oder als kaiserliche Herrschaft bezeichnet. Dies trifft zwar zu, doch muß noch konkret die soziale Herrschaft ergänzt werden. In China ist jede Arbeitseinheit despotisch, und die Regierung auf jeder Ebene verhält sich gegenüber denen, die von ihr regiert werden despotisch. Ein Chinese lebt nicht nur in einer abstrakten staatlichen Herrschaft, er lebt auch in der konkreten Herrschaft, die von der Arbeitseinheit und dem Einwohnerkomitee ausgeübt wird. Die Herrschaft, die ein gewöhnlicher Chinese im täglichen Leben erfährt, ist nicht die staatliche Ebene der Herrschaft, sondern die Herrschaft, wie sie von der Führung in Unternehmen, Dörfern, Behörden, Lehranstalten und dem Einwohnerkomitee ausgeht. In der Mehrzahl der Fälle wird ein gewöhnlicher Chinese nicht die im täglichen Verkehr erfahrene Form der Herrschaft direkt mit der staatlichen Herrschaft in Verbindung bringen. In China schätzt man die Figur des aufrechten Richterbeamten Bao Qingtian. In den klassischen Erzählungen und Romanen wird gerne beschrieben, wie die Menschen die Sänfte der Beamten aufhalten und ihre Klagen vorbringen. Der Grund dafür ist, dass es in den Augen der gewöhnlichen Chinesen eine riesige Diskrepanz zwischen der selbst erfahrenen Herrschaft in der Gesellschaft und der staatlichen Herrschaft, die sich in der kaiserlichen Herrschaft der Hauptstadt manifestierte.

Die konkrete gesellschaftliche Herrschaft bildet zwar die Grundlage für die staatliche Herrschaft, aber die Tendenz des Machtmissbrauchs der Regierungsgewalt auf jeder Ebene ist insofern folgenreich, als dadurch nämlich das Vertrauen der Menschen in die Herrscher des Staates und in die staatliche Gewalt überhaupt gefährdet wird. Aus diesem Grunde griffen die Kaiser zu allen möglichen Maßnahmen, um den Machtmissbrauch durch die regionalen Instanzen und Einrichtungen zu unterbinden. Alle diese Maßnahmen wurden in der chinesischen Geschichte immer von oben verordnet. Allein in der Kulturrevolution wurden die Maßnahmen von unten aus unternommen, oder vielleicht treffender formuliert: die Maßnahmen wurden in einem erheblichen Maße von unten aus unternommen. Das, was in bezug auf die Kulturrevolution mit der Floskel „historisch beispiellos“ bezeichnet wird, ist gerade dieser eben genannte Aspekt. Ich rufe mir noch einmal die Kulturrevolution in Erinnerung. Die erste Person, die damals an der Mittelschule, die ich besuchte, öffentlich attackiert wurde, war der Rektor. Dabei handelte es sich vermutlich um eine Entscheidung der städtischen Erziehungsbehörde, also um eine Anordnung von oben. Doch in der Folge gerieten auch der Parteizellensekretär der Schule, sein Stellvertreter, der stellvertretende Rektor und der Studienleiter ins Feuer der Kritik. Nun könnte man zwar sagen, hierbei habe es sich um eine „großartige strategische Planung“ von Mao Zedong gehandelt, doch zumindest die Art und Weise, wie diese Planung umgesetzt wurde, war Sache unserer Schule – nämlich die freie und furchtlose Offenlegung und Bekämpfung der „revisionistischen“ Worte und Taten der Schulbeamten durch unsere Schüler und Lehrer. In der Tat verhielt es sich so, dass die städtische Erziehungsbehörde als Teil der örtlichen Regierungsgewalt damals bereits gelähmt war. Der Behördenleiter und weitere leitende Beamte waren bereits zu „kapitalistischen Mitläufern“ abgestempelt worden und konnten daher unmöglich noch Anweisungen zur Kulturrevolution in der Schule geben. Doch einmal angenommen, die Behördenleitung wäre noch nicht kaltgestellt worden und hätte Anweisungen gegeben – die Schüler hätten das mit einer argwöhnischen, kritischen Haltung aufgenommen und diese Anweisungen wohl sogar abgelehnt, denn schließlich waren es keine Anweisungen vom „Vorsitzenden Mao“ und dem „Stellvertretenden Vorsitzenden Lin“ selbst. Während der Kulturrevolution verhielt es sich in allen Arbeitseinheiten und in allen lokalen Regierungsinstanzen auf diese Art und Weise. Mao Zedong konnte zwar z.B. den ersten KP-Sekretär Shanghais, Chen Pixian, als Anhänger des Kapitalismus bloßstellen, doch er wusste nicht, wer in der Shanghaier Erziehungsbehörde oder wer im Huangpu-Distrikt ein kapitalistischer Anhänger war. Dies verlieh den Roten Garden und den Massen ein großes Maß an Freiheit. Sie konnten frechweg die Worte und Taten der Leiter von Behörden und Distrikten einer Prüfung unterziehen. Wenn dabei revisionistische Tendenzen festgestellt wurden, konnten die Leiter sofort abgesetzt werden. Wenn wir also den despotischen Charakter der Kulturrevolution konstatieren, dann sollten wir nicht übersehen, dass die Massen in dieser Zeit eben auch teilweise politische Freiheit genossen.

George W. Bush hat einmal gesagt, dass der größte Fortschritt der Menschheit in mehreren tausend Jahren der sei, die Herrschenden in Käfige gesperrt haben zu können, damit sie von dort aus versuchten Macht auszuüben. Selbstverständlich muß dieser Käfig geschlossen sein, auch ist er nicht nur für Präsident Bush gemacht, sondern auch für die Beamten aller Regierungsebenen, die Unternehmensführer und die Schulrektoren. Während der Kulturrevolution wurden alle Machthaber Chinas aus den Einwohnerkomitees, Fabriken, Schulen, aus den Kreisbehörden bis hin zu den Provinz-, Stadtbehörden und dem Staatsrat in Käfige gesperrt. Ausgespart davon blieben nur Mao Zedong und Lin Biao. Aber war das noch nicht genug für die gewöhnlichen Chinesen? War solch eine „Große Demokratie“ (ein Standardbegriff aus der Kulturrevolution) nicht eine Form der Demokratie? In der chinesischen Geschichte hat man sich in allen Dynastien gegen bestechliche und korrupte Beamte gewandt, doch wann war es je vorgekommen, dass die Mehrzahl der Beamten von den Massen des Volkes in freier Form bloßgestellt und bekämpft wurde? Das hat es nur einmal in der Kulturrevolution gegeben!

In der Kulturrevolution galt es als kapitalistisch, wenn jemand außergewöhnliche Kleidung trug, besser aß als andere oder mehr als gewöhnliche Ansprüche stellte. Selbst Ehepaare, die auf der Straße Hand in Hand gingen, mussten sich den Vorwurf kapitalistischen Verhaltens gefallen lassen. Revisionismus war nur ein etwas schwächerer Begriff als Kapitalismus. Doch gleichzeitig mit der Gegnerschaft zu den kapitalistischen Tendenzen in der ganzen Gesellschaft war der Schwerpunkt in der Kulturrevolution die Kritik an den kapitalistischen Machthabern innerhalb der Kommunistischen Partei, d.h. an den mächtigen Beamten und Kadern in Regierung und Partei. Vor der Kulturrevolution hatte es die heute so häufig auftretenden Erscheinungen unter den Beamten wie Vetternwirtschaft, Korruption, Bestechlichkeit, Eigenmächtigkeit und Despotentum, Ruhmsucht, Falschheit und Betrug eher selten gegeben. Sobald ein Beamter auch nur die materiellen Vorzüge hervorhob (und sei es, daß er gar nicht einmal die eigenen materiellen Vorteile meinte), oder wenn er sich über seine Arbeit beklagte, bzw. wenn er die „Durchsetzung der revolutionären Linie Mao Zedongs“ nicht mit Nachdruck verfolgte, so wurde er zum kapitalistischen Anhänger abgestempelt – ganz zu schweigen von dem, was ihm blühte, wenn er das heute so gängige Verhalten von Vetternwirtschaft, Korruptheit und Degeneriertheit an den Tag legte. Doch sei es drum, selbst wenn die Beamten vor der Kulturrevolution nicht jenes Maß an „Schlechtigkeit“ an den Tag legten wie heute, so blieb die Frage, wie man sie kontrollierte und überprüfte doch ein riesiges Problem für China. Uns ist bekannt, daß Machtmißbrauch, gesellschaftliche Verkommenheit und moralischer Niedergang sich zuallererst bei den dem Kaiser unterstellten Beamten der Regierungsbehörden jeder Ebene bemerkbar machen und nicht etwa beim Herrscher selber. Aus diesem Grunde war es für den Kaiser notwendig, die Beamten zu überwachen. Von diesem Blickwinkel aus betrachtet handelte es sich bei der Kulturrevolution um eine Bewegung großen Ausmaßes, bei der das üble Gebaren  der dem Kaiser unterstellten Beamten einer Maßregelung unterzogen wurde. Der Unterschied zu den gleichartigen Bewegungen der Herrscherdynastien bestand nur im Sprachgebrauch: im Sprachgebrauch der Kulturrevolution wandte man sich gegen die kapitalistischen Machthaber, wohingegen früher vom Kampf gegen die korrupten Beamten die Rede gewesen war.

Über die Kulturrevolution hatte Mao Zedong einst gesagt, daß er nach 1949 viele Methoden ausprobiert hatte, doch immer gescheitert war; erst mit der Kulturrevolution habe er die richtige Methode gefunden. Von Mao stammte ebenfalls der Ausspruch, daß die Kulturrevolution keineswegs eine einmalige Angelegenheit darstelle, sondern in der Zukunft immer wieder – etwa alle sieben bis acht Jahre einmal  – auftreten werde. Ein Freund aus der Mittelschule bemerkte dazu einmal, daß, wenn wirklich alle sieben bis acht Jahre einmal eine Kulturrevolution stattfinden sollte, es sehr gefährlich würde, Beamter zu sein. Und wie auch nicht: um wie viel vorsichtiger wären wohl heute all die Regierungsbeamten, die Unternehmensleiter, Dorfvorsteher, Kreisleiter und Schulrektoren, wenn sie wüßten, daß ihnen nach sieben oder acht Jahren wieder eine Kulturrevolution bevorsteht. Sieben, acht Jahre – das ist nur wenig mehr als die fünfjährige Amtszeit eines französischen Präsidenten oder die achtjährige Zeit von zwei Legislaturperioden für Abgeordnete und Parlamentarier in den USA und Deutschland. Anders herum gesprochen: wenn man die Beamten und Regierungskader alle sieben oder acht Jahre einmal in einen Käfig sperrt und der freien, furchtlosen Kritik durch das Volk aussetzt, dann ist das bei aller Verschiedenheit gar nicht so viel anders wie die Neuwahl von Abgeordneten im Westen alle vier oder fünf Jahre. So gesehen weist die in China erfundene und von unten ausgehende freiheitliche Kritik an den Beamten durchaus Ähnlichkeiten mit den freiheitlichen Wahlen auf, die im Westen erfunden worden sind.

3 Die Kulturrevolution und die historischen Zyklen in China

Als die Kulturrevolution 1976 offiziell beendet wurde, strich man das Recht auf die „Vier Großen Freiheiten“ (die Freiheit des Streits zwischen verschiedenen Schulen, die Freiheit der Zulassung einander widerstreitender Meinungen, die Freiheit der Meinungsäußerung auf Wandzeitungen und die Freiheit des Debattierens) und das Streikrecht aus der Verfassung. Das Ziel der Kulturrevolution war es gewesen, die höchste Alleinherrschaft des Staates zu sichern. Die Mittel dazu waren die gewaltsame Verletzung der Würde des Menschen und Terror, mit dem aus kleinen Fehlern große Vergehen gemacht wurden. Die Methoden, mit denen das Volk unter Ausnutzung partieller politischer Freiheiten die Kader und Beamten in die Schranken gewiesen hatte, waren unzivilisiert und bösartig gewesen. Es hatte sich um eine Form unkontrollierter Volksgewalt gehandelt, die deshalb auch abgeschafft werden sollte. Doch in China wurde in der Folge keine neue Form gefunden, mit der man die Kader und Beamten unter Kontrolle hielt, vielmehr ging man erneut dazu über, die Beamten wie früher von oben herab zu gängeln und zurechtzuweisen. Da sich die Form der Ausübung von Alleinherrschaft im Lande nicht geändert hatte, kamen schnell wieder die Herrschaft durch die Arbeitseinheiten und durch die Gesellschaft auf – und nicht nur das, diese Herrschaft wurde noch stärker als vor der Kulturrevolution. Auf diese Weise verloren die Menschen ein weiteres Mal die gesamte politische Freiheit. Im heutigen China gibt es nicht einmal mehr die traditionelle Form der Unmutsäußerung gegenüber der Obrigkeit, bei der man früher „die Sänfte der Beamten aufhielt und seine Klagen vorbrachte“. Doch solange es für die Menschen weiterhin keine Möglichkeit gibt, die Beamten wirksam in die Schranken zu weisen, und solange die Menschen noch unter der Herrschaft der Arbeitseinheiten leben – so lange wird die Kulturrevolution als Erinnerung in den Menschen weiterleben, und nicht nur das, sie wird sogar etwas sein, das sich die Menschen herbeisehnen. Für die Kader und Beamten wird daraus ein Alptraum, den sie nicht beseitigen können. Wenn China also die Anziehungskraft, die die Kulturrevolution immer noch auf die Menschen ausübt, beseitigen möchte, und wenn die Kader und Beamten den Alptraum durch die Kulturrevolution loswerden möchten, dann muß eine neue Form gefunden werden, mit der man die Beamten und Kader in Käfige einsperrt.

Die Zurechtweisung der Beamten von oben aus hat in China eine lange Tradition. Um gegen einzelne Beamte vorzugehen, die ihre Macht missbraucht haben, ist diese Methode sehr effektiv. Doch sobald der Machtmissbrauch eine allgemeine Erscheinung unter den Beamten wird, ist diese Methode wirkungslos. In der chinesischen Geschichte ist es immer wieder einmal vorgekommen, dass von unten der Wunsch kam, hohe Beamte in der Umgebung des Herrschers auszuschalten. Doch kommt diesem Vorgehen, wenn die lokalen Adligen den Kaiser zwingen bestimmte Beamte zu maßregeln keinerlei systematische Bedeutung zu, und es ist etwas ganz anderes wie wenn sich die Massen erheben, um die Initiative gegen Beamte zu ergreifen. In der chinesischen Geschichte wurde es immer als eine Revolte aufgefasst, wenn sich das Volk erhob: Dynastien wurden auf diese Weise gestürzt, oder nahezu zum Sturz gebracht. Die Kulturrevolution stellte eine absolut neue Art und Weise dar, wie der Kaiser und das Volk Hand in Hand gegen die Beamtenschaft vorgingen. Das Volk erhob sich dabei, doch die Dynastie blieb stabil und intakt. Auf diese Weise wurden dem Volk, das keinerlei Bestrebungen machte die Dynastie zu stürzen, Hoffnungen gemacht, seinem Unmut über all das Unrecht loszuwerden und die Unterdrückung durch die Gesellschaft abzuschütteln. Heute, da diejenigen, die die Kulturrevolution selbst miterlebt haben, zum größten Teil noch leben, ist die Katastrophe dieses Ereignisses noch frisch in jedermanns Erinnerung, und daher wird sich die gerade beschriebene Hoffnung nicht weiter entwickeln können. Doch mit der Zeit, wenn die leidvollen Erinnerungen immer schwächer werden, wird die Erinnerung an das Glücksgefühl, das sich einst bei dem furchtlosen Vorgehen gegen die Beamten einstellte immer stärker werden, werden die Hoffnungen, die man in der Zeit der Kulturrevolution hatte und die Sehnsucht nach dieser Zeit womöglich wachsen. So gesehen stellt die Kulturrevolution für die künftige Entwicklung der Gesellschaft Chinas durchaus einen neuen Unsicherheitsfaktor dar.

Für mich stellt die Kulturrevolution innerhalb der Entwicklungszyklen der chinesischen Geschichte eine extreme Situation dar. Angenommen die Kulturrevolution hätte niemals stattgefunden, dann wäre die von den jahrzehntelangen kriegerischen Auseinandersetzungen ausgelaugte chinesische Gesellschaft, die im Gefolge des Sturzes der Qing entstanden waren, wiederum auf die traditionellen Bahnen der Entwicklung in der chinesischen Geschichte zurückgekehrt und in ein neues Herrschaftszeitalter eingetreten. Ohne einen Einfluß von außen hätte sich dieses Herrschaftszeitalter dann womöglich über ein paar hundert Jahre halten können. Die Kulturrevolution hat die zyklischen Bahnen der chinesischen Geschichte verändert. Nach dem Abklingen der militärischen Kämpfe und Unruhen hat sie – zwar ohne Pulverdampf, doch dafür mit den für Zeiten der Unruhe typischen Erscheinungen von Mord, Hass und Gewalt – das Chaos auf ein bis dahin der chinesischen Geschichte unbekanntes Maß getrieben. Als daher die Unruhen vorüber waren, war die Dynastie zwar noch intakt, doch die Beamten, die in der Zeit der Kulturevolution gelitten hatten, hatten das Vertrauen gegenüber dem Kaiser verloren. Die im Vergleich zu den Zeiten vor der Kulturrevolution schlimmer gewordene Herrschaft durch die Arbeitseinheiten und der Machtmissbrauch riefen selbstverständlich den Unmut der Bevölkerung hervor. Aus diesem Grunde kann man sagen, dass China noch nicht in einen neuen Zyklus einer langfristigen großen Herrschaftszeit eingetreten ist.

Auf der anderen Seite sollten wir akzeptieren, dass äußere Faktoren die Bedingungen für die historischen Zyklen Chinas grundlegend verändert haben. Ohne den Einfluß der westlichen Kultur wäre die Qing-Dynastie nicht vor einem Jahrhundert zusammengebrochen, würden wir heute noch unter der Herrschaft des mandschurischen Kaiserhauses leben. Ohne den Einfluß der westlichen Kultur gäbe es in China keine Vorstellung von Gleichberechtigung. Der Machtmissbrauch durch die Beamten würde zwar vom Kaiser oder durch Volksaufstände beschränkt, doch weder alleinige Entscheidungsbefugnis des Kaisers noch die Sonderrechte der Bürokratie würden angezweifelt. Es hat gerade einmal hundert Jahre benötigt, dass die aus dem Westen stammenden Vorstellungen „durch das Volk“, „dem Volk“ und „für das Volk“ in China Verbreitung gefunden haben. Auf diese Weise sind in China die mehr als zweitausend Jahre alte Herrschaftsvorstellungen abgeschafft worden. Wenn man das mit dem mühsamen Ausbreitungsprozeß des Buddhismus in China vergleicht, dann ist unschwer zu erkennen, dass die Vorstellung von „durch das Volk“, „dem Volk“ und „für das Volk“ in besonderem Maße der inneren Verfassung der Menschen in China entspricht. Dies ist wie die chinesische Papierherstellung und Drucktechnik, die in besonderem Umfang den inneren Bedürfnissen der Menschen aus dem Westen bei der Lektüre der Bibel entsprechen. Auf der Grundlage des Konzeptes der Gleichheit zwischen den Menschen spielt sich die chinesische Geschichte zwar noch in Zyklen ab, jedoch hat sich die Qualität der Zyklen gezwungenermaßen verändert. Die Geschichte Chinas kann sich nicht mehr nur zwischen der Herrschaftsausübung und der Politik der Bekämpfung von Unruhen durch das aufständische Volk bewegen. Im Gegenteil: die chinesische Geschichte muß sich in einen neuen Kreislauf begeben, bei dem sich verschiedene geistige Strömungen in der Gesellschaft gegenseitig im Gleichgewicht halten, die unter der Voraussetzung der Gleichberechtigung der Menschen entstanden sind. Bei letztgenanntem neuen Kreislauf sind in Zeiten des Wandels dann auch nicht mehr gegenseitiger Mord und Gewalt notwendig. Wenn China also in eine lang anhaltende Herrschaft eintreten möchte, dann kann es keine neue dynastische Herrschaft in der überlieferten historischen Form sein, sondern nur eine in der Form einer freiheitlichen, demokratischen und auf Recht und Gesetz gegründeten Gesellschaft, in der es Monopolgewalt durch den Staat und die Arbeitseinheiten nicht mehr gibt. Nur so kann in China womöglich am Ende die Rationalität von Erscheinungen wie der Kulturrevolution und brutaler Volksgewalt beseitigt werden. Wie der Wandel zu solch einer Herrschaft auf friedliche Weise zu bewerkstelligen ist, dies stellt die Herrschenden und die Gemeinen in China gleichermaßen vor eine große innere Prüfung und eine Prüfung ihrer Weisheit.

Ich bete für China und für jeden meiner Landsleute!

(Ende)

Anmerkungen

zur Einleitung von Prof. Dr. Thomas Zimmer und

 zu seiner Übersetzung meines Essays über die Kulturrevolution

Hu Jingbei

Ich danke Prof. Dr. Thomas Zimmer dafür, dass er meinen Essay seinerzeit ins Deutsche übersetzt und mit einer eigenen Einleitung einem deutschsprachigen Publikum vorgestellt hat. Seine Einleitung enthält sowohl Verständnis und Anerkennung als auch Vorbehalte und kritische Fragen. Anlässlich der erneuten Veröffentlichung möchte ich einige Punkte zur Interpretation meines Arguments und zu einzelnen Formulierungen der Übersetzung erläutern. Die folgenden Anmerkungen lassen seine Einleitung unverändert und unterscheiden zwischen inhaltlicher Deutung, Übersetzungsfragen und noch zu klärenden Unterschieden zwischen den Textfassungen.

1 Zur Deutung als demokratischer Impuls

Prof. Zimmer spricht in seiner Einleitung davon, in den Erscheinungen der Kulturrevolution auch etwas Gutes zu sehen und die eruptive Gewalt von unten als demokratischen Impuls aufzufassen. Er verweist dabei auf ähnliche Auffassungen innerhalb der chinesischen „Neuen Linken“. Er ordnet mich dieser Strömung nicht ausdrücklich zu. Dieser Deutungsrahmen kann jedoch den Eindruck erwecken, ich wolle der Kulturrevolution einen demokratischen Charakter zusprechen.

Mein vorrangiges Anliegen ist eine Erklärung: Wie konnte eine Bewegung, die der Sicherung der persönlichen Diktatur an der Spitze diente, zugleich Menschen dazu mobilisieren, die Leiter ihrer eigenen Einrichtungen und die örtlichen Funktionäre anzugreifen und zu stürzen? Mit dem Begriff der Despotie in den Arbeitseinheiten möchte ich die im Alltag erfahrene Unterdrückung und den Wunsch erklären, sich ihr zu entziehen. Die Erklärung dieses Wunsches und seiner mobilisierenden Wirkung bedeutet keine Billigung der politischen Form, in der er sich äußerte.

Bereits im dritten Abschnitt des chinesischen Textes verwerfe ich diese Form der Politik ausdrücklich als barbarisch und menschenunwürdig.

2 Zur Auslassung einer entscheidenden Einschränkung in der Überschrift

Die ursprüngliche chinesische Überschrift des zweiten Abschnitts lautet sinngemäß „Teilweise politische Freiheit unter der Diktatur“. In der deutschen Übersetzung steht dagegen lediglich „Teilweise politische Freiheit“. Damit entfällt die für mein Argument entscheidende Einschränkung „unter der Diktatur“.

Diese Auslassung betrifft den gedanklichen Rahmen des gesamten Abschnitts. Ich untersuche dort, wie die fortbestehende Diktatur an der Spitze mit einem begrenzten Handlungsspielraum der Bevölkerung gegenüber untergeordneten Machthabern zusammenwirken konnte. Gerade dieses Verhältnis zwischen staatlicher Despotie und der Despotie innerhalb der Arbeitseinheiten bildet den Kern meiner Erklärung. Ohne den Zusatz „unter der Diktatur“ kann hingegen der Eindruck entstehen, der Abschnitt behandle politische Freiheit als eine eigenständige positive Errungenschaft der Kulturrevolution.

Die ursprüngliche Einschränkung ist von der Ergänzung zu unterscheiden, die ich selbst für die Neuausgabe von 2026 vorgenommen habe. Die Überschrift lautet nun sinngemäß: „Begrenzte politische Freiheit unter der Diktatur — ein Erklärungsansatz für die Politik des Mobs“. Der neue Untertitel verdeutlicht meine erklärende Absicht; die Einschränkung „unter der Diktatur“ war jedoch bereits im ursprünglichen chinesischen Titel enthalten.

Zudem wird das chinesische Wort für Despotie beziehungsweise diktatorische Herrschaft wiederholt mit dem allgemeineren Wort „Herrschaft“ wiedergegeben. An einzelnen Stellen verwendet die Übersetzung zwar ausdrücklich „despotisch“. Insgesamt wird jedoch die Bedeutung meiner Unterscheidung zwischen staatlicher Despotie und der Despotie innerhalb der Arbeitseinheiten abgeschwächt.

Ähnliches gilt für den chinesischen Ausdruck pidou, der mehrfach als „Kritik“, stellenweise auch als „freiheitliche Kritik“ erscheint. Gemeint sind öffentliche Anklage- und Kampfsitzungen, die Demütigung, Zwang und Gewalt oder Gewaltandrohung einschließen konnten. Die bloße Bezeichnung als Kritik gibt diesen Charakter nicht hinreichend wieder und kann die Zwangsförmigkeit des untersuchten Geschehens verdecken.

3 Zur Unterscheidung von Freiheit und Demokratie

Im zweiten Abschnitt fragt der chinesische Text, ob die damalige „Große Demokratie“ nicht eine Form von Freiheit gewesen sei. Die deutsche Übersetzung fragt stattdessen: „War solch eine ‚Große Demokratie‘ (ein Standardbegriff aus der Kulturrevolution) nicht eine Form der Demokratie?“

Die Ersetzung von „Freiheit“ durch „Demokratie“ verändert die Aussage. Ein gewisser Handlungsspielraum, der es Menschen erlaubt, untergeordnete Autoritäten anzugreifen, macht eine politische Ordnung noch nicht demokratisch. Die von mir untersuchte begrenzte Freiheit bestand unter der fortdauernden Diktatur an der Spitze. Den Beschuldigten gewährte sie weder ein gleiches Recht auf Verteidigung noch Schutz ihrer körperlichen Unversehrtheit. Diese Unterscheidung ist für das Verständnis meines Arguments wesentlich.

4 Zum Vergleich mit regelmäßigen Wahlen

Der chinesische Text zieht einen begrenzten Vergleich zwischen periodisch wiederholten Kulturrevolutionen und regelmäßigen Wahlen: In beiden Fällen können Amtsträger einem Druck von unten ausgesetzt sein. Damit behaupte ich weder eine Gleichartigkeit der Institutionen noch eine gleiche Legitimität von öffentlichen Kampfsitzungen und Wahlen. Die anschließende Verwerfung der Politik des Mobs und das Plädoyer für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gehören zum notwendigen Zusammenhang dieses Vergleichs.

An dieser Stelle verändert die deutsche Fassung außerdem den Gegenstand des Vergleichs. Aus der chinesischen Bezugnahme auf zwei Amtszeiten von Amtsträgern in den USA und Deutschland werden zwei Legislaturperioden von Abgeordneten und Parlamentariern. Auch diese Formulierung bedarf einer Überprüfung und Korrektur.

5 Zu Textfassungen und einer weiteren Übersetzungsfrage

Zwischen der erhaltenen deutschen Übersetzung und der nun erneut veröffentlichten chinesischen Fassung bestehen auch Unterschiede im Umfang. So fehlt in der deutschen Fassung eine entsprechende ausführliche Darstellung der wirtschaftlichen und politischen Funktionen des Arbeitseinheitensystems. Auch Teile der abschließenden Überlegungen zum Verlust der selbstverständlichen Legitimität kaiserlicher Herrschaft und zur Rolle der Beamtenschaft sind dort nicht enthalten.

Der chinesische Essay wurde für seine Veröffentlichung im Jahr 2007 ergänzt. Solange nicht geklärt ist, welche Fassung der Übersetzung zugrunde lag, sind diese Unterschiede als Fassungsfragen zu behandeln. Sie dürfen nicht ohne Weiteres als Auslassungen des Übersetzers gelten.

Eine weitere konkrete Stelle betrifft das Lied „Der Osten ist rot“ und die Lieder auf Texte aus den Worten des Vorsitzenden Mao. Der chinesische Text führt diese als zwei verschiedene Beispiele an; die deutsche Fassung verbindet sie so, als handle es sich um dasselbe. Hier sollten die beiden Beispiele voneinander getrennt werden.

Auch mein vor zwanzig Jahren verfasster Essay steht selbstverständlich der Kritik offen. Diese Anmerkungen sollen lediglich deutlicher zwischen meinen damaligen Aussagen, der Interpretation des Übersetzers und den durch Übersetzung oder Textfassung entstandenen Unterschieden unterscheiden. Ich bin Prof. Zimmer dankbar dafür, dass er eine Diskussion über Sprachgrenzen hinweg ermöglicht hat, und hoffe, dass diese Ergänzungen zu einer genaueren Textgrundlage beitragen.

Den 24. Okt. 2026

“夜话”2026年第12期,2026年10月24日

强烈建议追究文革中打人致死者的法律责任

将近一个月前,我写了一篇短文《“红八月”六十年祭》,纪念1966年8、9月间在“红色恐怖”中被打死、被迫自杀以及遭受各种迫害的人们。写完以后,一个问题始终萦绕在我的脑海中:对于当年那些施暴者、尤其是那些把人活活打死的人,我们今天是否只能停留在道德谴责和历史反思的层面?我的回答是:不,我们不能停留于道德谴责和历史反思。我们应当在道德谴责和历史反思的同时,也追究文革中向无辜者严重施暴甚至把人活活打死的施暴者的法律责任。

今天是2026年10月6日。恰恰在五十年前,中国逮捕了在文革中犯有严重罪行的“四人帮”。1980年全国人大常委会决定成立特别检察厅和特别法庭,依法审判了他们,追究了他们的法律责任。同样的道理,至少也适用于文革中打人致死的施暴者。

因此,在纪念文革六十周年、悼念在六十年前的“红八月”中无辜被打残打死的受害者的同时,我强烈建议:对文化大革命期间有明确受害人、有档案记录、有具体责任人线索的打人致死案件进行公开调查和复查;对于事实能够查清、责任能够认定、责任人仍然在世,并且依照法律仍具有追究可能的案件,由司法机关依法审查有关施暴者的刑事责任。

我在那篇《“红八月”六十年祭》中引用《人民日报》的数据说,在1966年8月下旬到9月底的约40天内,仅北京市就有一千七百多人被打死。《北京日报》披露的数字更加具体:“在北京,仅一九六六年八、九两个月的统计,被打死的就有1772人”。1772不是一个抽象数字。每一个“1”都是一个具体的人,都有自己的姓名、年龄、家庭,都曾经和我们一样生活。在我的家乡南京市,当年被打致死的,至少有李敬仪、吴天石、朱庆颐、韩康、王金5人。六十年过去了,我们对这些死者已经进行了不少纪念,对文革也进行了大量历史研究。但是有一个问题似乎被遗忘了:那些把人打死的人,后来承担责任尤其是法律责任了吗?

这里应当指出的是,“红八月”和文革中打人致死的事件,有关部门当时已经掌握情况,其中一些案件还留下了公安机关的调查材料。以南京的吴天石、李敬仪夫妇被打致死为例,事件一发生,公安机关就开始了调查。她们两人于8月3日和5日先后死亡,江苏省公安厅8月9日就此便提交了《关于文化大革命保卫工作情况专报(三十一)》。这份专报不仅记载了事件经过,而且列出了事件的主要发起、组织人员和一些“动手打人比较突出”的人的姓名。而比如北师大女附中校长卞仲耘被打死后,情况立即上报了包括“总理办公室”在内的有关部门。因此,文革中打人致死的事件,应当都有记录在案。当然,公安机关调查报告列出某人参加或者实施殴打,并不等于法院已经认定这个人的具体行为直接导致被害人死亡。历史调查和刑事定罪是两件不同的事情。但吴天石夫妇和卞仲耘的案件让我们有理由相信,文革中相当一部分打人致死事件,当时留下过不同形式的记录。各地公安、党政机关以及有关单位的档案中,可能至今仍保存着相当数量有关文革打人致死事件的材料。这些档案值得系统清理和调查。

有人也许会问:“红八月”已经过去六十年了,文革也过去五十年了,即使能够查清那些打人致死事件,法律上还有可能追究施暴者的责任吗?我的回答是:至少不能因为已经过去六十年,就断言法律上绝无追究可能。我国现行刑法规定,法定最高刑为无期徒刑、死刑的犯罪,经过二十年以后,如果认为必须追诉,须报请最高人民检察院核准。而在司法实践中,近年来我国司法机关仍然办理超过二十年的陈年重大刑事案件。因此,对于六十年前某些性质特别严重、证据仍然充分的打人致死案件,法律上仍然存在依法审查并报请核准追诉的可能。

当然,这并不意味着六十年前所有打人致死案件今天都可以重新起诉。有的责任人已经去世;有的案件证据已经灭失;有的案件可能已经作过刑事处理;有人的施暴行为虽然极其严重,如今却未必能够证明该人的施暴与受害人死亡之间存在刑法意义上的因果关系;等等。这些问题肯定不能回避。但是,“存在法律问题”与“根本不去调查追究”,完全是两回事。我建议的追究法律责任,不是简单地把一批如今七、八十岁的当年施暴者抓起来判刑。我所理解的追责,至少可以分成三个层次。

第一,查明事实。对于有明确死亡事实、有公安机关或单位调查档案、有具体施暴者线索的案件,应当尽可能查明:谁被打死,什么时候被打死,在什么地方被打死,谁组织,谁实施殴打,谁制止过,谁支持过,当年的公安、检察机关是否调查过,后来是否处理过。

第二,确认责任。刑事责任必须由司法机关依法认定。即使因为责任人已经死亡、或者证据达不到刑事定罪标准、或者其他法律原因而不能追究刑事责任,我们依然可以基本查清当年的案件事实。这里,谁是受害者,谁实施了严重暴力,不应当处于模糊状态。

第三,依法审查刑事责任。对于责任人仍然在世、证据充分、行为后果特别严重,而且依法应当追究的打人致死案件,公安、检察机关依法进行审查;已经超过一般追诉期限、但法律仍保留核准追诉可能的,由有关机关报请最高人民检察院核准追诉。至于是否起诉、是否定罪、判什么刑,都应当由司法机关依照证据和法律决定。

这里需要特别指出的,政治运动不应当成为犯罪、尤其是打人致死行为的当然免责理由。我国近五十年前对四人帮的审判,已经表明发生在文化大革命中的行为并非天然地就处于法律审查之外。文化大革命是一场政治运动。但是,无论当时的政治口号是什么,一个人把另一个没有反抗意愿、缺乏反抗能力的人活活打死,这首先是一个生命被非法剥夺的事实,而不能以当时的政治环境加以解释和开脱。

在这里,我有一个经常回想起的记忆。我的母校南京九中在文革中有三位老师不正常死亡。其中一位是张梅林老师。有一次,我们几个“新红联”的“造反派战士”在一起聊天。一位同学说起昨天抓住了张梅林,把他关到办公楼的地下室写检查;其时,他和另一个看守的同学,因为特别气愤,都想从坐在那里写检查的张梅林身后殴打他几下,但拳头举起来后,却下不了手;脚准备抬起踢人,却也抬不了脚。这段记忆给我的最深刻体会是:针对弱者,使用自己肢体和包括短棍、皮带等小东西打人尤其打死人,绝对不是一件容易的事情:打人者首先必须克服自己的心理障碍。我们普通人,根本过不了这样的心理障碍。因此,在我看来,对既无反抗意愿、又乏反抗能力的弱者持续施暴并造成死亡,这样的行为,任何理由都无法为之辩解,而应当被追究法律责任。

所以,我建议有关国家机关对文革中有明确受害人、有档案记录、有具体责任人线索的打人致死案件进行调查和复查;能够查清的事实,应当查清;能够确认的责任,应当确认;对于责任人仍然在世、证据充分并在法律上仍有追诉可能的案件,应当由司法机关依法审查并追究刑事责任。

“夜话”2026年第11期,2026年10月6日

谨以此文再次悼念张梅林老师,以及在文革中非正常死亡的刘默然、徐婉芬老师。作为当年的南京九中学生,我曾经参加过对老师们的批判;对张梅林老师,我至少曾经怀有歧视。六十年后的今天回想起来,我对此深感忏悔。

注:《北京日报》的数据见:《北京日报》:“卑污的灵魂 可耻的下场——揭露卖身投靠江青‘女皇’的反革命野心家谢富治”,1980年12月20日,第1、第4版。

我的马克思研究和农业劳动力转移研究

一位中年经济学者今天和我通话。他竟然抽出时间,读了我上个月发到网络上的四十年多前的大学毕业论文《略论服务业资本》。他也读过我去年在上海出版的《农业劳动力转移经济学》。他的一个读后感是:我最近三十年来对农业劳动力转移的研究,和我四十多年前对马克思的研究,有某种内在的连续性,或者说有密切的联系,但他又难以道明这种连续性或联系。他希望我能够多少澄清一下这个问题。我们为此讨论了很长时间。讨论过后,我依然思绪难平,乃写下这篇短文。

在1981年提交的大学毕业论文中,我写下了这样一句话:“在资本主义生产方式的早期历史上,一方面,资本的力量还不够强大,还需要借助于暴力,需要结合着封建的甚至奴隶制的剥削方式来榨取工人的剩余劳动;另一方面,资本还可以从前资本主义生产体系,即从农村和城市的小生产者,奴隶贸易以及海外移民等等地方获得足够的劳动力供应,因此,劳动力的再生产,对于资本来说,还没有必要也没有可能去加以注意。……资本主义生产方式的普遍化,雇佣工人愈来愈只能来自这个生产方式的内部,工人的消费过程也就愈来愈成为这个生产方式的内部过程。”“”接着,在1983年发表于《北京大学研究生论文集(文科版)》之前,我把上述后一句修改成“资本主义生产关系深入到社会的每一角落,社会一切经济活动的资本主义化,使来自资本主义生产方式以外的劳动力供应日趋减少,从而,劳动力的再生产,也就成为资本主义经济运动的必要环节”。这一写于上世纪八十年代初的文字所提及的“前资本主义体系”或“资本主义生产方式以外”,当然不限于农业,但其中最重要的部分应当是农业;而劳动力被吸收入资本主义体系或资本主义生产方式,便包括农业劳动力转移。不过,我必须承认,上世纪八十年代,我完全没有意识到农业劳动力转移。马克思本人,就我的阅读范围来说,没有专门研究过“农业劳动力转移”,更没有提出过“农业劳动力转移”的概念。当时社会上甚至经济学研究中,常把进城务工的农民称为“盲流”,而我没有觉得这个用词有任何不妥之处。因此,无论从马克思对我的理论影响来说,还是从中国经济学当年研究状况来说,我都没有形成任何“农业劳动力转移”的问题意识。这里还需要提到一个重要原因,是我那时候几乎完全不了解世界的状况,更不了解世界农业劳动力转移的状况。也许我听说过美国的农民很少,但我根本没有把它与任何理论联系起来,根本没有想到“美国农民很少”对我的研究有什么意义。

那么,四十多年前,我是如何写下上述那段涉及农业劳动力转移的文字的呢?对这个问题,我今天确实无法回答。我只是顺着整篇文章的思路写下来。在那篇大学毕业论文中,我把服务业定义为生产和再生产劳动力的部门。为了解释服务业为什么得到发展,我必须解释为什么劳动力再生产有了重要性,因此,我就自然而然地写下了这么一段话:“资本主义生产方式的普遍化,雇佣工人愈来愈只能来自这个生产方式的内部,工人的消费过程也就愈来愈成为这个生产方式的内部过程;资本的积累和集中使剩余价值生产的规模越来越大,在资本有机构成有所提高的情况下,资本技术构成以比之快得多的速度更大地提高,从而单个工人处理的生产资料量有了巨大的增长,生产过程对正常劳动力提出的标准愈来愈高,具有一定质量的劳动力在生产过程中的重要性日益增大,并且成为资本竞争的对象,劳动力的正常再生产对资本增殖的意义越来越明显;全国人口的大部分被抛入雇佣劳动者的行列,雇佣工人在数量上的迅速增加,增大了他们与资本对抗的力量,使他们有可能迫使资本和他们达成正常出卖劳动力的契约;最后,随着资本支配的财富量的增加,资本对过去生产方式的彻底扫荡,使资本成了驱动社会经济的唯一力量。资本主义生产方式的全面确立,使它能够不断地再生产出自身,用经济以外的力量来攫取剩余价值,也就越失去了意义,而劳动力价值规律,工人自身的再生产,也逐渐取得了它在整个剩余价值生产和资本主义经济运动中的正常地位。”今天回头来看,这段话中已经出现了两个后来一直吸引我的问题:劳动力从传统生产体系进入资本主义生产体系,以及劳动力质量的重要性。前者和“农业劳动力转移”有关,后者和“人力资本”有关。然而,当年的我对这两个概念完全没有自觉,完全没有意识到这两个概念。今天,我的认识是,当年的我把自己想象成马克思:如果我是马克思,我应当如何写“服务业资本”,因此,我在撰写大学毕业论文时,尽可能模仿马克思惯用的语气。上面这段话,应当是典型的马克思式语言:立论高远,几欲囊括历史;实证不足,未免流于空泛。借用胡适先生的说法,“大胆假设”不易,“小心求证”亦难。

后来的我关注农业劳动力转移,和我当年对马克思的研究,几乎没有关系。我之所以关注农业劳动力转移,首先是因为我刻骨铭心的务农经历。那劳作的艰苦和饥饿的折磨,让我密切关注农民的状况。其次是中国农业劳动力转移的规模太大,吸引了大量中国经济学家,我仅是其中之一。再次,我对理论的兴趣和不擅与官员交际的“腼腆”,使我几乎只从理论上研究这个问题。就第三点而言,四十多年前我对马克思理论的学习和思考,让我养成了理论兴趣,从而使我习惯于从理论上研究农民问题。但这只能算是我当年关于马克思的研究对我后来的农业劳动力转移研究的间接影响。

不过,2008年世界经济危机发生后,我试图从农业劳动力转移的长期进程来理解这场危机的某些背景,因此起草了一篇短文“当前世界经济危机的根源和意义”。那时候,我突然想起自己上世纪八十年代初的马克思研究。把那篇论文找出来一读,竟然感觉它和我要写的主题很是契合。因此,在那篇短文的最后两段,我便如此写了:

“将近三十年前,当中国经济开始融入世界资本主义体系的时候,我在自己发表于《北大研究生论文集(文科版)》创刊号上的论文里曾经无意识地写下了这样一段话:‘资本主义生产关系深入到社会的每一角落,社会一切经济活动的资本主义化,使来自资本主义生产方式以外的劳动力供应日趋减少,从而,劳动力的再生产,也就成为资本主义经济运动的必要环节;全国人口的大部分被抛入雇佣劳动者的行列,雇佣工人阶级力量的壮大和他们的联合斗争,可能迫使资本家和他们达成正常出卖劳动力的契约:这样,劳动力价值规律,工人本身的再生产,便可能逐渐地取得它在整个剩余价值生产和资本主义经济运动中的正常地位。’作为生活在三十年来世界经济发展中心之一的中国人,我幸运地亲眼目睹了资本主义生产关系向前资本主义社会渗透的过程,目睹了中国各种经济活动资本主义化的过程,尤其目睹了中国农民通过迁移而融入资本主义体系的过程。但是,如果说资本主义体系、资本主义企业原先还只管农民工的使用,而把农民工的生老病死(即劳动力的再生产)丢给非资本主义体系承担,所以资本主义体系能够大大降低生产的人力成本的话,那么,随着全世界人口尤其劳动力越来越多地进入资本主义体系,来自资本主义体系以外的劳动力越来越少,资本主义体系就越来越必须把劳动力再生产过程纳入体系内部。而这就意味着劳动成本的提高、雇佣劳动者地位的上升和他们向中产阶层的转变,意味着社会最终从等级社会向公民社会的转变,当然也意味着社会最终转变为完全的资本主义社会。

“当然,这一转变过程充满着繁荣和萧条、进步和退步。纯粹就经济发展来说,资本主义经济总是在波动中增长。每一次波动都有其具体原因,也都有其繁荣的上限和萧条的下限。但是,即使人类在资本主义体系下最公正、最勇敢、最谨慎地对待社会和经济问题,人类仍然不能避免经济波动。这就和生病一样。每一次生病都有具体原因,但无论怎样小心谨慎,一个人仍然不可能不生病。所以,未生病时不要得意忘形,生病时不要悲观失望,也是我们对待资本主义经济波动或严重经济危机应当持有的态度。当然,一个人可能因病而死亡,资本主义可能也会死亡。但是,看看2008年的世界上依然有那么多生活在前资本主义体系内的农民,我们就会知道资本主义还处在年轻时代;看看资本主义经济迄今为止发生的大大小小危机,我们又会明白经济危机是资本主义的常见病而无致命危险。无论中国还是世界,通往大众富裕和公民平等的路都还很长,资本主义体系的经济增长和社会发展都还有着广阔前景。而这一次世界经济危机击碎了‘劳动无限供给’的幻想,把劳动力短缺现象清楚地揭示在世人眼前,在长期中将有助于劳动收入提高和劳动者地位上升,有助于资本主义经济把自己的增长建立在新的劳资关系和新的更高劳动成本的基础上,也就是说,通过这次经济危机,资本主义经济体系将把十几到二十几亿(远远超过老资本主义体系的总人口!!)人口和劳动力本身的再生产纳入自己的循环周转之中,并在这个基础上展开经济增长。这就是我今天看到的当前世界经济危机的一个重要意义。”

马克思研究和农业劳动力转移研究,是我一生所做的两项主要学术工作。朋友关心我这两项研究的联系,我很感谢。可惜的是,我自己也很难说清楚这些联系。无论如何,我所有已经发表的文字,现在都成了我的身外之物,成了任人评论的“公共产品”。我自己的评论,或者说,作者本人的回顾和解释,也仅仅算“众人评论”之一,远非定论。至于我的马克思研究和农业劳动力转移研究究竟有怎样的连续性,还是留给有兴趣的读者判断吧。

“夜话”2026年第10期,2026年9月22日

注:拙文“当前世界经济危机的根源和意义”,夜话2008年第16期,2008年10月23日,链接为https://www.hujingbei.net/archives/195。

“红八月”六十年祭

臭名昭著的1966年的“红八月”已经过去六十年加九天了。

我本来不想就“红八月”写任何东西的。因为,尽管我们必须牢记“红八月”的教训,但回忆那个不仅仅是“红”,而且是“血红”的月份,总是令人痛苦和屈辱的。但是,今天早晨打开计算机,就看到一位老同学的信息,说恰恰在六十年前的1966年9月9日,他那被打成走资派的父亲离家出走,投水自尽;虽然被人发现救起,却又被革命造反派把他的试图自杀,定性为“自绝于革命自绝于党”而罪加一等。他想为父亲的这一天写点东西,可又写不下去。这段记忆对他是太痛苦了。他的信息让我深思,也让我决定写点东西来纪念“红八月”,因为,像他父亲1966年9月9日自杀未遂、像陈梦家和傅雷夫妇1966年9月3日自杀、上海音乐学院教授杨嘉仁夫妇1966年9月6日自杀,还有许多我们不了解的自杀和未遂自杀,都属于1966年“红八月”的血红劫难。

所谓“红八月”,在我的理解中,可以视为“红色恐怖的八月”之缩写,并且实际上包括了随后的1966年9月。只是1966年的8月更为人熟悉。正是在那个月,文革发动者在天安门上教导红卫兵说“要武嘛”,遵命造反的红卫兵竖起了“红色恐怖”的大旗,喊出了“红色恐怖万岁”的口号,唱起了“革命不是请客吃饭,……革命是暴动,是一个阶级推翻一个阶级的暴烈的行动” (我自己现在依然会唱这首“语录歌”),实行了骇人听闻的红色恐怖。而“红八月”又进一步扩展到1966年9月。在打倒四人帮以后的1980年,中共中央宣布开除1966年时担任公安部长的谢富治党籍。《人民日报》在揭露谢富治的一篇文章中说:

“1966年夏天‘文化大革命’开始不久,社会上发生一些打砸抢事件,谢富治作为公安部长,对此不但不设法制止,反而表示支持。他对公安人员说:‘不能按常规办事,不能按刑事案件去办,如果你把打人的人拘留起来,捕起来,你们就要犯错误’,‘打死了就打死了,我们根本不管’,‘过去规定的东西,……不要受约束’。在谢富治等的煽动和支持下,各地一时打砸抢成风,社会主义法制荡然无存。统计表明,1966年8月下旬到9月底40天内,北京市被打死一千七百多人,被抄家三万三千六百多户,被驱赶出北京市的所谓‘五类分子’共八万五千多人。”

也就是说,从文革发动者在那个月十八号说“要武”后的短短四十天内,不算因不堪红色恐怖而自杀的人,仅仅被打死的人,北京就有一千七百多人。其中年龄最小的,出生仅38天;被打死的原因是其家庭为阶级敌人。北京是一座经历过战争和王朝更替的古都。1644年明清易代、1900年八国联军攻占北京、1937年日军占领北平,都曾给这座城市带来死亡和灾难。不同年代的死亡数字很难直接比较。但就研究比较详实的日寇占领北京时期来说,在近八年的占领时期,日寇打死的北京人大约有几千人。可在“红八月”的一个多月,北京就有一千七百多人被打死。所以,“红八月”惨烈程度,应当远远超过日寇的残酷程度。这样的惨烈程度,在北京城的千年建都史上,可能是绝无仅有的。更加格外令人震惊的是,1966年8月和9月,北京没有任何武装力量交战,没有任何集会抗议,没有任何人(包括被红卫兵认定的“走资派”和“牛鬼蛇神”)公开反对文化大革命;更重要的是,没有任何人主动反抗,因此,这里几乎不存在战争或双方争夺中的误杀。仅仅上述两点,就足以使“红八月”在北京建城以来的灾难史上,在中国和世界的社会灾难史上,具有极其特殊的位置。

在我的家乡南京市,根据现有的可核实资料,至少有五个人在所谓的“红八月”中被打死,他们是吴天石和李敬仪夫妇、朱庆颐、韩康、王金。我还清楚地记得,一位唐姓邻居,开一个小裁缝店,“红八月”的一天,突然被红卫兵拉出家门,戴上写有什么字的白色高帽子,在我们那条街(科巷)游街。我猜想,我的那位老同学自杀未遂的父亲,应当也是在单位受到了如此的“待遇”,才不得不走上那条绝路的。而我们都知道的老舍在“红八月”的自杀,也首先是因为在他单位受到像戴高帽子那样的屈辱。

揭露谢富治罪行的文章说,从1966年8月下旬到9月底40天内,北京市被打死一千七百多人,被抄家三万三千六百多户,被驱赶出北京市八万五千多人。这里不包括自杀,不包括被打致残,不包括自己逃到外地的人,而且还不包括8月下旬之前被打死被抄家的人。例如,众所周知的北京师大女附中校长卞仲耘,就是在这之前的8月5日被打死的。因此,“红八月”不是一般的红,而是鲜血的红,是被打死打残的人的鲜血浸染的红。这是和平时期的一场杀戮,是对没有任何反抗意愿、最多只是下意识地做出保护自己动作的普通人的一场杀戮,是许多打人者杀人者至今都理直气壮地说自己是响应“伟大号召”的一场杀戮。我想,对我那位老同学的父亲来说,那是一生经历的最大屈辱。对我来说,它同样是一场巨大的屈辱。和我同时的中学生,也许还认识不到这场屈辱;但历史一定会记住这场屈辱和耻辱,“红八月”的屈辱和耻辱。而一个人,一代人,一个民族,只有“知耻而后勇”。

“夜话”2026年第9期,2026年9月9日

注:新华社记者陈家咏:“谢富治逃不脱历史的审判”,载《人民日报》1980年12月23日,第4版。引文中的省略号是文中原有的。

我在四十五年前写作的本科论文

今年四月份,网友“梁丁文”在我的个人主页www.hujingbei.net上留言,希望读到我当年的学士论文。他说:

“我是一个对经济运行感兴趣的业余研究人士,最近看到了一篇您于2000年发表的一篇论文《略论服务业资本——— 马克思“资本论”体系的一个扩展》,非常受启发!……这篇论文的整个论证过程我还不是看得很明白,我看到这篇论文下附注:该论文是根据您于1981年提交给南京大学经济学系的同名学士论文的基础上写就的。所以我斗胆留言,想问一下您是否还保留有这份同名学士论文呢?我能不能要一份?我想把这个问题弄明白。”后来在五月份,她/他再次留言,“希望能阅读您的完整的学士论文”。

这位网友说的学士论文,是我在四十五年前,也就是1981年下半年写就并提交给南京大学经济学系的本科毕业论文或学士论文。我记得自己确实保存着一份底稿,近几年中也曾看到过,因此,我许诺这个网友:“尽快找出原稿,发给您,也发到网络上。”

前几天,我终于找到了当年留下的底稿。四十五年前,没有复印机,没有扫描仪,甚至连复写纸也不是日常用品,所以,当年的稿子,无论正式提交的还是自己留存的,都是手写稿。我现在把它输入计算机,形成电子版。由于我不知道那位网友的电子信箱,无法直接发给她/他,也由于我当时许诺“也发到网络上”,因此,我决定把自己四十五年前的学士论文公布在网络上。它的下载链接是:

在这个地址上也可以阅读本文件。我在这篇学士论文基础上写出并正式发表的《略论服务业资本——马克思<资本论>体系的一个扩展》的下载链接是

图1 我的学士论文正文第1页

图2 我的南京大学成绩表关于“毕业论文题目和评语”页

(注:在“毕业论文”的一栏右侧格子中,第一行是“题目:略论服务业资本”;第二行和第三行是“成绩或评语:文章观点鲜明,立论准确,有一定的创见。文字表达尚好。成绩评语‘优’。第三部分需进一步提炼。”)

四十五年前的这篇本科论文,是我个人思想经历的一份历史记录,具体地说,是我试图扩展或续写马克思《资本论》的一次尝试。我曾经在网络上说过,全世界号称“《资本论》研究者”的人,百分之九十在中国;但中国这些“研究者”写的关于《资本论》的文字,百分之九十九是学习心得,和真正意义上的研究风马牛不相及。而我自认为自己的这篇本科论文,是一篇对《资本论》的真正研究。尽管后来我写过硕士和博士论文,但我最满意的始终是这篇学士论文。

再次感谢“梁丁文”网友,也感谢所有愿意花时间了解这篇四十五年前旧作的朋友。

“夜话”2026年第8期,2026年8月21日

注:“梁丁文”两次留言的全文见:https://www.hujingbei.net/%e8%81%94%e7%b3%bb%e8%83%a1%e6%99%af%e5%8c%97/comment-page-1#comment-15605。

“乌克兰新闻社”关于俄乌战争的中期展望

普京的弹道导弹恐怖袭击可能是他给自己设下的陷阱

——今年停火是否可能?

今年下半年,前线、空中和谈判方面将会发生什么?

乌克兰新闻社(RBC-Ukraine),20260804

普京进入下半年,既没有取得任何突破性胜利,也没有停止战争的意愿。乌克兰方面则试图遏制前线的压力,并不断深入俄国后方作战。战争到今年年底战争的走向以及谈判的可能性——请阅读这篇“乌克兰新闻社”的文章。

文章要点:

俄军的攻势有所放缓。俄军的推进速度比以往春夏两季的战役要慢,但俄军并未放弃在关键方向上的攻势,仍然希望在今年年底前占领整个顿涅茨克州。

威胁所在。顿涅茨克州西部科斯蒂安蒂尼夫卡方向的局势最为严峻。到年底,该州西北部的莱曼和多布罗皮利亚方向的危险可能会增加。

北部威胁。俄军可能在乌克兰北部的切尔尼戈夫或基辅州北部开展有限的军事行动,希望以此迫使乌克兰从顿巴斯地区调兵到这些地方。

俄国是否会再次动员征兵尚未定论。如果俄国在今年9月大选后真的启动动员,动员人数可能达到10万至30万人,征兵过程可能持续数月之久。

空袭将会加剧。乌克兰正在加大对俄国军事经济的空袭力度,而俄国则依靠弹道导弹、喷气式“沙赫德”无人机空袭乌克兰能源基础设施。

和平的希望。以往的妥协方案均告失败。普京不愿在没有取得任何可以被视为胜利的结果的情况下就停止战争。目前各方正在寻求新的方案。

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人们对战争迅速结束的预期与前线的实际情况越来越不符。俄国正试图继续其攻势,并同时对我们的后方发动袭击。乌克兰正在寻求各种途径来提高俄国侵略的代价,扩大对俄国军事、工业和后勤设施的打击规模和范围。

“几个月前,总统指示官员们想方设法迫使俄国在年底前停止侵略并坐下来谈判。其目的是,如果我们进入冬季时仍处于战争状态,俄国人将对我们进行猛烈打击,而今年的冬天将比上个冬天更加艰难。总统布置的这项任务并未取消,每个人都在继续执行,”一位知情人士告诉“乌克兰新闻社”。

前线局势

与往年不同,往年春季后半段俄军推进速度明显加快,并在夏季达到高峰。而今年俄军推进速度比往年同期慢了好几倍,甚至比冬季还要慢。

俄军此前试图加强在扎波罗热州的攻势,其目标是尽可能逼近扎波罗热市。但由于乌克兰的反击而延缓。然而,这不意味着俄军完全放弃了这一方向:即使俄军在那里的攻势有限,也能迫使乌军在那里保持可能在顿巴斯地区需要的兵力。

顿涅茨克州仍然是双方主要作战区域。俄军目前的目标是占领克拉马托尔斯克–科斯蒂安蒂尼夫卡地区——乌克兰在顿涅茨克州北部防御的基石。俄军正试图尽可能逼近斯拉维扬斯克和克拉马托尔斯克两个城市——这两个关键要塞目前由乌克兰控制。

科斯蒂安蒂尼夫卡的局势仍然最为严峻。据该媒体消息人士透露,敌军已在科斯蒂安蒂尼夫卡市大部分地区出现——他们的南方集团军不仅渗透到该市,还试图切断乌军的后勤补给线。更南边,俄军中央集团军正试图突破防线,从西面绕过科斯蒂安蒂尼夫卡、德鲁日基夫卡和克拉马托尔斯克,直抵多布罗皮利亚。另一个危险地带是莱曼地区,俄军企图从东面向那里推进。

“乌克兰新闻社”采访的军政界消息人士称,他们认为顿涅茨克州的乌军防线没有迅速被突破的可能。但他们认为未来几个月,乌军可能会失去对科斯蒂安蒂尼夫卡的控制。他们评估认为,到年底,莱曼和多布罗皮利亚也可能面临同样的危险。“如果事态发展对乌克兰不利,到冬季结束时,俄军可能已经逼近斯拉维扬斯克和克拉马托尔斯克。然而,要抵达这些城市,俄军仅仅缓慢推进战线是不够的。他们必须不断突破乌克兰的防线,扩展侧翼,并推进后勤补给,同时还要时刻提防乌克兰无人机的攻击。”一位消息人士表示。

俄军是否会在乌克兰北部发动新的军事行动仍是一个未知数。消息人士倾向于认为,俄军可能会以有限的兵力发动攻势,试图突破切尔尼戈夫州甚至基辅州的边界防线。在这种情况下,俄国布良斯克州可能成为俄军进攻之前的集结地。目前,白俄罗斯是否直接参与俄国的行动并,还不能确定。即便白俄罗斯参与,俄军在乌克兰北部可能发起的进攻的目标,也不太可能是在基辅方向取得突破。俄军或许会将其称为“尝试”,即在边境沿线建立所谓的缓冲区。但这更可能是它更广泛计划的一部分——旨在沿边境延伸战线,迫使乌军从俄军试图实现其主要目标的顿涅茨克州抽调出兵力。

俄军是否有足够的兵力来发动对乌克兰北部的进攻行动,主要取决于克里姆林宫的征兵动员决策。即便现在,俄军也面临兵员短缺的问题。尽管招募合同兵的计划几乎百分之百地得到执行。但它既不足以组建新的部队和编队,也无法完全补充兵员损失。据“乌克兰新闻社”报道,过去一个月,乌军无人机造成的俄军损失已达4万人,其中超过百分之六十是阵亡。

俄军面临的最大问题是无人机部队的招募。俄国学校向学生和年轻人提供在无人机部队服役的机会,认为这是一个更安全、更有声望的选择。然而,目前仍然没有志愿者加入。

乌克兰军政界人士不愿意对俄国今年9月大选之后,克里姆林宫是否会在今年秋季启动新一轮的兵役动员一事做出有把握的预测。知情人士估计,如果普京真的采取这一行动,可能会征招义务兵10万至30万人,同时还会继续进行合同招募。很可能,这样的义务兵征召动员将持续数月之久。一方面,这将使克里姆林宫避免出现突发的公众冲击;另一方面,这将减轻训练中心的负担:俄国的体系根本无法同时接收、提供服装、武器和训练数十万人。因此,这波新动员的影响最早可能在今年冬季、甚至明年显现。

空中冲突升级  

双方地面战斗的同时,双方空袭也愈演愈烈。自春季以来,乌克兰不断将战火推进到俄国后方深处,加大了对俄国境内的打击力度。乌军空袭范围不断扩大,空袭本身也逐渐从零星行动转变为针对敌方战争经济的系统性攻势。这正是乌克兰迫使普京进行真正和平谈判的计划之一。

“现在每天都有炸弹飞向俄罗斯。如果没有任何公开报道,那只能说明它们没有击中目标,”“乌克兰新闻社”的一位知情人士透露。乌克兰空袭的主要目标仍然是俄国国防工业企业和炼油厂。7月初,乌军总参谋部报告称,空袭已导致俄国42.74%的炼油产能瘫痪。自春季中期以来,乌克兰开始封锁前线地区的俄军后勤补给线,旨在同时给敌军制造补给困难,并加剧克里米亚地区俄国人的生活困境。如今,大型物流中心——俄国市场的重要枢纽——也被列入了打击目标名单。

据该媒体消息人士称,在远程无人机的使用量方面,乌克兰已基本赶上俄国。他们表示,基辅仍然保持着技术优势:乌克兰率先应用的技术方案,往往在四个月后才出现在俄罗斯。

与此同时,俄国也在升级攻势,加大攻击力度。俄军已开始系统性地攻击乌克兰的国防企业、后勤设施和港口基础设施,以瘫痪黑海粮食走廊的运作。乌克兰的加油站也成为攻击目标,俄军借此干扰前线附近地区的燃料供应和民众日常生活。俄军对乌克兰首都的袭击策略也发生了变化。由于乌方严重缺少爱国者导弹系统的PAC-3拦截导弹,俄军越来越多地使用弹道导弹。

“俄罗斯人以伊朗为例。他们看到伊朗如何主要依靠弹道导弹和无人机在中东地区制造恐怖。他们从中吸取了教训。他们为什么还要策划复杂的联合打击,选择不同的路线和不同的到达时间来攻击目标呢?现在,他们只需向首都发射10枚或者20枚、30枚弹道导弹。因为他们知道,鉴于我们的拦截弹数量不足,总会有一些导弹能够突破我们的防线。”一位军官在接受媒体采访时说道。

“乌克兰新闻社”的消息来源预测,这种趋势很可能在秋季继续:俄军将继续使用弹道导弹,并将其与巡航导弹打击和大规模的“沙赫德”无人机袭击相结合。据该媒体报道,目前俄国每月生产约66枚用于“伊斯坎德尔-M”系统的9M723导弹和约10枚高超音速“锆石”巡航导弹。最近,俄军频繁使用这两种武器攻击基辅及其周边地区。除此之外,俄军还会不时使用S-400防空系统导弹和朝鲜的KN-23弹道导弹空袭乌克兰。

据粗略估计,俄军7月份发射的弹道导弹数量超过了俄国同期产能。因此,如果不提高产量,俄军不太可能在弹道导弹打击中持续保持齐射导弹的数量。据该媒体报道,俄国目前正竭力提高喷气式无人机的产量,以应对乌克兰积极研发旨在击落常规“沙赫德”导弹的无人机拦截器。

在空战中,双方都存在弱点。俄军在实际操作中无法可靠地覆盖其广袤的领土和遍布其间的众多企业。乌克兰虽然需要防御的领土面积小得多,却面临着最关键的导弹防御装备短缺的问题。

问题不仅仅在于合作伙伴是否愿意向我们移交“爱国者”系统的拦截弹。客观地说,全球PAC-3拦截弹的产量远低于乌克兰、美国及其中东盟友目前的实际需求。据战略与国际研究中心估计,截至7月底,美国仅剩有约759至827枚PAC-3系列拦截导弹。相比之下,在伊朗战争爆发前,美国拥有约2,330枚此类导弹。五角大楼新签订的多年期合同计划将PAC-3拦截导弹的产量提高到2,000枚,但生产这些拦截弹的洛克希德·马丁公司预计要到本年代末才能将其产能提高三倍。换句话说,未来的解决方案正在酝酿之中,但无法在今年秋季消除拦截弹短缺状况。

乌克兰自身导弹防御系统的前景目前仍不明朗。法意联合研制的SAMP/T NG防空系统旨在成为一种替代方案。首批系统承诺于今年交付乌克兰。但关键问题不仅在于防空系统本身的交付,还在于合作伙伴能否持续供应足够的拦截导弹。

今年冬季来临前,双方的打击行动很可能只会愈演愈烈:俄国将再次试图打击乌克兰的能源部门,并指望利用严寒天气施加额外的压力;而乌克兰则会以对俄能源、军工和后勤设施的攻击作为对等回应。

基辅方面认为,在前线进行顽强防御,同时对俄国领土发动大规模打击,应该能够让克里姆林宫意识到继续战争的真正代价。这不仅包括物质上的破坏,还包括俄国重新部署防空力量、削减出口、筹集维修资金,以及向民众解释,这场原本被描述为遥远的“特别军事行动”的战争,为何会越来越多地蔓延到他们的身边。

然而,仅靠远程打击不足以扭转战局。远程打击可以消耗敌人的体力,限制其能力和资源。但只有与前线的顽强抵抗、俄国经济的崩溃以及政治压力相结合,才能产生决定性的效果。

谈判前景如何?  

“乌克兰新闻社”近几周从乌克兰政府和外国外交官等多位消息人士处获悉,今年和平解决冲突几乎没有任何现实希望。

然而,就在几个月前,情况却截然不同。乌克兰刚刚开始明显加强中程尤其是远程打击的力度。俄军在前线缺乏突破,俄国国内不满情绪日益高涨。这让人们一度燃起希望,认为普京或许最终会认真地坐到谈判桌前。但事实上,这些行动对俄国领导层产生了截然相反的效果——他们咬紧牙关,誓死抵抗。这一点甚至从普京本人及其下属日益强硬的言辞中可见一斑。了解莫斯科局势的消息人士向“乌克兰新闻社”证实了这一点:俄军打算让乌克兰人再经历一个严冬,并且指望这一次乌克兰国内形势能够彻底崩溃。

一位乌克兰政府消息人士在接受“乌克兰新闻社”采访时表示:“双方都缺乏(退出战争的)战略。”这意味着此前提出的妥协方案对基辅和莫斯科来说都无法接受。

例如,所谓的“安克雷奇精神”耗时近一年才得以澄清。正如乌克兰总统办公厅主任布达诺夫在接受“乌克兰新闻社”采访时解释的那样,俄国人将对克里米亚、赫尔松和扎波罗热部分地区以及整个顿巴斯地区的控制权纳入了这个模糊的概念。而且,据多家西方媒体报道,特朗普曾认为是他在安克雷奇为乌克兰向普京争取到这样的和平条款。但他对普京的这一承诺遭到了乌克兰的强烈抵制。

一位乌克兰谈判代表告诉“乌克兰新闻社”:“美国人多次问我们:‘你们为什么如此执着于顿巴斯这块地图上都找不到的小地方?……放弃它——你们就能获得和平。’”另一位乌克兰谈判代表表示,美方一些谈判代表尤其感到困惑,因为顿巴斯地区根本没有石油和天然气储藏。他们质疑,它有什么值得为之战斗的?乌克兰方面则解释说,将部分领土连同当地居民一起拱手让给敌人,根本不是一个可行的选择。这只会是向俄国做出的毫无意义的让步;俄国可以毫发无损地夺取部分领土,然后立即或稍作停顿后继续侵略。

据“乌克兰新闻社”的消息,美国人后来不得不相信,并非只有泽连斯基一人持有这种观点,而是乌克兰社会即便并非完全一致,至少也有相当一部分人对此深信不疑:无论是在社会层面还是政界,人们都认为土地和人民不能随意出卖。最终,美国国务卿鲁比奥公开宣布“安克雷奇精神”已死。不过,正如该媒体的一位消息人士所指出的,为了更加确定,最好还是听特朗普本人的表态。

另一个想法也未能实现——在顿巴斯地区设立自由经济区或非军事区。在一位乌克兰谈判代表的建议下,顿巴斯地区有时被戏称为“顿尼之地”(Donnyland),这显然是利用了特朗普的虚荣心以及他喜欢以自己名字命名各种事物的癖好。例如,连接纳希切万飞地与阿塞拜疆其他地区的路线项目,作为和平解决卡拉巴赫冲突的一部分,正式被命名为“特朗普国际和平与繁荣路线”。乌克兰、俄国和美国曾以各种形式讨论过“顿涅茨克兰”的概念,直到普京禁止其谈判代表参与此类讨论,并将主要任务设定为完全控制顿涅茨克和卢甘斯克两州的全部领土。

一位乌克兰谈判代表告诉“乌克兰新闻社”:“我们现在正在寻找新思路,因为旧思路行不通。”人们寄希望于美国特使维特科夫和特朗普女婿库什纳预计于8月对基辅的访问。之后——或者在返回美国途中——他们还将访问莫斯科。一位乌克兰方面的消息人士向该媒体含糊地描述了计划:“他们来的时候,我们会坐下来,从各种方案中找出一些共同点。”

据他所说,泽连斯基上次访问华盛顿期间,“有可能重启谈判进程”,但迄今为止,没有任何具体细节。其他消息来源对和平前景持相当怀疑的态度。尤其令人担忧的是,特朗普的大部分注意力仍然像以往一样集中在伊朗问题上,而且由于中东新一轮战争的爆发,谈判实际上在冬季之前陷入停滞。

目前,莫斯科并未表现出在没有取得任何可称之为胜利的结果的情况下结束战争的意愿。几位知情人士在被问及“普京难道不想结束战争吗?”时,都给出了相同的答案:“他做不到。”“他已经为自己设定了一个可以称之为胜利的标准。这甚至不是攻占基辅或推翻乌克兰政府——在他看来,在他所理解的世界观里,在他脑海中——随便你怎么称呼——最低限度的胜利是占领整个顿涅茨克州,外加卢甘斯克州。他现在不接受任何低于这个标准的胜利,”一位消息人士推测道。

值得注意的是,这位消息人士以及“乌克兰新闻社”采访的其他军事政治圈人士对于这是否真的是普京想要结束战争的“胜利”存在分歧。

“他大谈特谈去纳粹化和其他一些抽象而荒谬的事情。俄罗斯人民根本无法衡量这些事情是否真的实现了。但他对所谓的顿涅茨克和卢甘斯克州的‘解放’却着墨不多。不像其他所有军事行动的目标那样,‘解放’顿涅茨克和卢甘斯克州才是俄国人民能够真正评估的事情。但这是他自己给自己挖的坑,”该媒体的另一位消息人士解释道。

问题还在于,俄国总统可能对前线的真实情况有所误解。据“乌克兰新闻社”的消息来源称,过去一年里,普京看过一些战争前线的地图。那些地图的整个灰色地带都被标记为已占领,甚至连一个俄军士兵进入过的定居点也被标记为已占领,即便该士兵随后被消灭。因此,送到普京办公桌上的军事地图可能比实际接触线向前了大约十公里。在一些地图上,俄军甚至已经兵临扎波罗热市城下。在俄国的这种体系下,每一级指挥机构都会粉饰最终结果。如果普京确实基于这样的图景做出决策,他就会强烈地认为俄军需要继续进攻,并且强化其实现预期目标的信念。这也解释了为什么克里姆林宫不断设定无法实现的最后期限。根据克里姆林宫的计划,俄军本应在今年年底前再次抵达顿涅茨克州西部的行政边界。该媒体的消息来源不仅怀疑这些最后期限的现实性,他们甚至无法预测俄军能否在2027年之前实现这一目标。

正是带着这种矛盾,双方进入了下半年。俄国没有通往胜利的捷径,但普京仍不愿放弃。乌克兰无法立即迫使俄国停止战争,但正试图让俄国在接下来的每个月都付出更大的代价。问题不在于谁会发动更多袭击,而在于谁的体系会率先承受不住战争的累积代价。

原文出处:https://newsukraine.rbc.ua/analytics/putin-s-ballistic-terror-could-be-his-own-1785734379.html,20260804检索。

“夜话”2026年第7期,2026年8月5日

“泽伦斯基致普京的公开信”全文

致俄罗斯联邦总统

来自乌克兰总统

26年前,你上台执政时,许多乌克兰人对你抱有好感。当时的确如此。但那已是过去。

如今,绝大多数乌克兰人对我们远程无人机飞越1,000多公里,“出席”你在圣彼得堡举办的论坛开幕式表示赞赏。你非常清楚,这并非我们能力的极限。

26年来,你的执政彻底改变了乌克兰和俄国之间的关系。两国关系从贸易和其他民用事务,几乎完全转向了战争和损失。

你在俄国执政的近26年中,近一半的时间都在对乌克兰发动战争。

无论你如何看待北约、地缘政治或俄语,这场战争都是你个人的选择——一场没有真正理由的战争。历史将会如此铭记。

那些年本可以截然不同。我们经常听到你说你对这场战争感到满意。当然,如果你的瓦尔代住所不再安全,或者莫斯科阅兵式岌岌可危,那你肯定不会这么想。毕竟,你的生命对你来说弥足珍贵。

但现在我们都能看到,俄国公众终于开始对这种现实感到不安——战争正给他们带来越来越多的负面影响。

他们不喜欢我们的无人机和导弹。

他们不喜欢汽油短缺和物价持续上涨。

他们不喜欢无休止的管制。

他们不喜欢你发动第二波兵役动员,将战争扩大到乌克兰其他方向,或者扩大到俄国其他邻国的想法。

他们不喜欢这场战争看不到尽头。

没错,你仍然可以强迫俄国人继续这样生活下去。但你的资源正在急剧减少。

你没有足够的金钱或政治资本来像过去26年那样收买俄国人的忠诚。

我们将竭尽所能,确保世界共同努力,使这一刻早日到来。

正如你自己常说的,“我们需要核算数据”。

昨天,我收到了一份关于你的军队今年五月份在乌克兰前线伤亡情况的报告。俄军阵亡和重伤人数再次超过3万人。我们每个月都保持着这个水平,而且我们有视频证据证实俄军的每一例伤亡——这些并非空穴来风。

我们知道,俄军战场上的伤亡中,63%是阵亡,只有37%是受伤。在21世纪,任何军队都无法承受这样的伤亡比例。而且,阵亡人数的比例还会继续上升。

在你的战争给乌克兰带来如此惨痛的后果之后,我们乌克兰人并不关心俄军士兵的命运。

但我关心乌克兰人民。

我们正在失去我们的同胞,每一次伤亡都让我们感到无比痛苦。即使乌克兰与俄国的伤亡比例是1比5或1比6,也仍然意义重大。你每隔几个月就推迟占领我们地区、特别是占领顿涅茨克地区的最后期限,这一点也很重要。而且今年你也占领不了顿涅茨克州地区。

但是,我们乌克兰人不想陷入永无休止的战争。我们非常清楚,没有战争的生活要美好得多。我们想要实现这一点。

我相信,大多数俄国人也会对此表示赞同——你也知道这一点。

很多人不相信乌克兰能够坚持这么久。你不相信。你的顾问也不相信。这是个错误。

你没有预料到乌克兰会进行全面抵抗,也没有预料到事态会发展到如此地步。然而,我们现在都身处其中——这场全面战争已经持续了五年。

不要害怕走出这场战争。这是你现在最需要做的。

乌克兰保住了它的独立。它将继续保住它。尽管所有预测都与此相反。

我们团结了世界各地的许多人,与乌克兰站在一起,反对你。我们找到了所需的武器和资金。

我们得到了支持,你受到了制裁。这种情况将持续下去,直到乌克兰得到公正的对待——我们所寻求的公正,以及能够实现的公正。

我们绝不会让那些试图说服我们,在你对乌克兰的立场没有任何实质性改变的情况下,大幅放松对俄国的制裁、大幅减少对乌克兰的支持的人得逞。【刚刚落选下台的前匈牙利总理】奥尔班的例子表明,那些选择帮助俄国发动战争的人最终都会落得耻辱的下场。

在你试图摧毁我们能源系统的同时,乌克兰经历了严酷的寒冬。我们坚守阵地——即使在黑暗中,乌克兰人民的韧性也丝毫未减。

我们将战争带到了你的国度内,如果没有朝鲜的帮助,你根本无法应对。你是第一个向朝鲜寻求援助的俄国统治者。

而今天,你完全依赖亚国——这在俄国历史上也是第一次。

你曾认为乌克兰人民没有能力自卫。然而今天,我们的人民正在帮助我们在中东和海湾地区的伙伴建立自己的防御体系。

你曾盼望乌克兰内部动荡。然而,反倒是你自己军队发动了兵变。今年6月23日将是这一事件的又一个周年纪念日,沉默无法抹去这段历史。

如今,你自己的官员、商人和宣传人员都对你明显感到厌倦。全世界都看得出来。

世界并没有像你一直希望的那样对乌克兰感到厌倦。但人们​​对俄国的厌倦却与日俱增——甚至在那些帮助你绕过制裁、维持你经济运转的国际伙伴中也是如此。

你不可能对此视而不见。执政26年后,岁月已开始在你身上留下痕迹。随着时间的推移,人们对你的厌倦只会与日俱增。

我们看到的情报显示,你正在考虑将战争延续到2027年和2028年。我们也知道,你希望弹道导弹能为你实现其他一切手段都未能达成的目标。你想把白俄罗斯拖入这场战争更深的泥潭,而我们现在也被迫为此做好准备。我们看到你正试图围绕【乌克兰西南方向的】德涅斯特河沿岸地区策划一些事情。你的宣传人员以各种方式威胁着俄国的每一个邻国。你真的想经历这一切吗?

现在,选择权在你手中。

战争到此为止。

乌克兰提议结束这场战争。

必须以诚实、有尊严的方式结束战争,并保证战争不会死灰复燃。

我们看到,美国正全力关注伊朗问题,如果仅仅等到欧洲战争重新成为其关注的焦点,那就大错特错了。

乌克兰提议通过我与你之间的直接对话来结束这场战争。

我提议举行一次会晤。

大家都听到你的代表面带微笑地说,我或许可以去莫斯科。但26年过去了,乌克兰领导人在你的首都无事可做——就像俄国领导人在基辅无事可做一样。

有些国家历来会接待领导人,以解决战争与和平问题。瑞士、土耳其、阿拉伯世界各国——许多国家有能力也有意愿举办这样的会议。

关键问题是由领导人解决的。过去如此,将来亦如此。

我提议确定一个明确的会议日期。

我们听说,在美国的阿拉斯加,你曾被承诺解决一些涉及乌克兰和欧洲的问题。但你自己也看到了,乌克兰和欧洲的问题在阿拉斯加根本无法解决。

其他同意的参与者可以加入我们之间建立的双边对话机制。

鉴于战争正在欧洲发生,鉴于乌克兰需要安全保障,而俄国自身也在寻求安全保障,那么让那些真正能够提供保障的国家参与进来是合乎逻辑的。我们认为欧洲应该参与这一进程——毕竟,欧洲拥有真正影响局势的能力。

我们也认为美国必须参与这一进程。这将有助于为我们所在的地区构建新的安全架构。

我们已经与俄国达成过许多协议,包括明斯克协议,但最终都以失败告终。因此,我们必须首先就遗留问题找到直接的答案,而不是躲在各种公式、技术工作组或无休止的穿梭外交背后,回避棘手的问题。

你发动的战争已经使乌克兰和俄国永远地疏远了。

今天的战线正是外交必须开始的地方。

乌克兰准备在谈判期间全面停火。这是惯例,而当前围绕伊朗的局势发展也印证了这一点。努力实现真正的停火是开始对话的最佳途径。我们相信,如果这是你想要的,那么这不仅仅是一次尝试,而是一次真正的停火。

你知道,美国有能力监督沿战场前线停止敌对行动的停火。

乌克兰准备全面交换战俘,这可以成为结束战争的良好开端。

必须采取切实措施,遣返在战争期间被带走的平民和儿童。

我们必须决定,我们之后的乌克兰人和俄国人将面临怎样的未来。

如果你自己得不出结束这场战争的结论,乌克兰将继续为生存而战。我们会有支持者。

但你也必须为自身的生存而战——不是为俄国,而是为你自己。这并非来自我或乌克兰的威胁。这是你熟知的俄国历史事实:当俄国疲惫不堪时,变革就会到来。

我们可以努力促成俄国的疲惫不堪。

你可以停止战争。

永远铭记所有在这场战争中丧生的人们。

乌克兰万岁!原文出处:https://www.president.gov.ua/en/news/vidkritij-list-prezidentu-rosijskoyi-federaciyi-vid-preziden-104769(胡景北翻译)

“夜话”2026年第6期,2026年6月5日

“全国第一张马列主义大字报”的原文

【胡景北注:六十年前的1966年6月2日,《人民日报》发表了北京大学聂元梓等七人在当年5月25日写的一张大字报。《人民日报》并为此加了新的题目和一段说明。现在转载于这里。聂元梓等人大字报原题目为“宋硕、陆平、彭珮云在文化大革命中究竟干些什么?”。此外,《人民日报》当天还就此发表了一篇署名“本报评论员”的文章“欢呼北大的一张大字报”。】

北京大学七同志一张大字报揭穿一个大阴谋

 “三家村”黑帮分子宋硕陆平彭珮云负隅顽抗妄想坚守反动堡垒

《人民日报》1966年6月2日

新华社一日讯 五月二十五日下午二时许,北京大学哲学系聂元梓、宋一秀、夏剑豸、杨克明、赵正义、高云鹏、李醒尘七人,在大饭厅东墙上贴出了题为《宋硕、陆平、彭珮云在文化革命中究竟干些什么?》的大字报。全文如下:

现在全国人民正以对党对毛主席无限热爱、对反党反社会主义黑帮无限愤怒的高昂革命精神掀起轰轰烈烈的文化大革命,为彻底打垮反动黑帮的进攻,保卫党中央,保卫毛主席而斗争,可是北大按兵不动,冷冷清清,死气沉沉,广大师生的强烈革命要求被压制下来,这究竟是怎么回事?原因在那里?这里有鬼。请看最近的事实吧!

事情发生在五月八日发表了何明、高炬的文章,全国掀起了声讨“三家村”的斗争高潮之后,五月十四日陆平(北京大学校长、党委书记)急急忙忙的传达了宋硕(北京市委大学部副部长)在市委大学部紧急会议上的“指示”,宋硕说:现在运动“急切需要加强领导,要求学校党组织加强领导,坚守岗位。”“群众起来了要引导到正确的道路上去”,“这场意识形态的斗争,是一场严肃的阶级斗争,必须从理论上彻底驳倒反党反社会主义的言论。坚持讲道理,方法上怎样便于驳倒就怎样作,要领导好学习文件,开小组讨论会,写小字报,写批判文章,总之,这场严肃的斗争,要做的很细致,很深入,彻底打垮反党反社会主义的言论,从理论上驳倒他们,绝不是开大会所能解决的。”“如果群众激愤要求开大会,不要压制,要引导开小组会,学习文件,写小字报。”

陆平和彭珮云(北京市委大学部干部、北京大学党委副书记)完全用同一腔调布置北大的运动,他们说:“我校文化革命形势很好”,五月八日以前写了一百多篇文章,运动是健康的……运动深入了要积极引导。”“现在急切需要领导,引导运动向正确的方向发展”,“积极加强领导才能引向正常的发展”,“北大不宜贴大字报”,“大字报不去引导,群众要贴,要积极引导”等等。这是党中央和毛主席制定的文化革命路线吗?不是,绝对不是!这是十足的反对党中央、反对毛泽东思想的修正主义路线。

“这是一场意识形态的斗争”,“必须从理论上彻底驳倒反党反社会主义的言论”,“坚持讲道理”,“要作的细致”。这是什么意思?难道这是理论问题吗?仅仅是什么言论吗?你们要把我们反击反党反社会主义黑帮的你死我活的 政治斗争,还要“引导”到那里去呢?邓拓和他的指使者对抗文化革命的一个主要手法,不就是把严重的政治斗争引导到“纯学术”讨论上去吗?你们为什么到现在还这么干?你们到底是些什么人?

“群众起来了,要引导到正确的道路上去”。“引导运动向正确的方向发展”。“要积极领导才能引向正常的发展”。什么是“正确的道路”?什么是“正确的方向”?什么是“正常的发展”?你们把伟大的政治上的阶级斗争“引导”到“纯理论”“纯学术”的圈套里去。不久前,你们不是亲自“指导”法律系同志查了一千五百卷书,一千四百万字的资料来研究一个海瑞“平冤狱”的问题,并大肆推广是什么“方向正确,方法对头”,要大家学习“好经验”吗?实际上这是你们和邓拓一伙黑帮一手制造的“好经验”,这也就是你们所谓“运动的发展是健康的”实质。党中央毛主席早已给我们指出的文化革命的正确道路、正确方向,你们闭口不谈,另搞一套所谓“正确的道路”,“正确的方向”,你们想把革命的群众运动纳入你们的修正主义轨道,老实告诉你们,这是妄想!

“从理论上驳倒他们,绝不是开大会能解决的”。“北大不宜贴大字报”,“要引导开小组会,写小字报”。你们为什么这样害怕大字报?害怕开声讨大会?反击向党向社会主义向毛泽东思想猖狂进攻的黑帮,这是一场你死我活的阶级斗争,革命人民必须充分发动起来,轰轰烈烈、义愤声讨,开大会,出大字报就是最好的一种群众战斗形式。你们“引导”群众不开大会,不出大字报,制造种种清规戒律,这不是压制群众革命,不准群众革命,反对群众革命吗?我们绝对不答应!

你们大喊,要“加强领导,坚守岗位”,这就暴露了你们的马脚。在革命群众轰轰烈烈起来响应党中央和毛主席的号召,坚决反击反党反社会主义黑帮的时候,你们大喊:“加强领导,坚守岗位”。你们坚守的是什么“岗位”,为谁坚守“岗位”,你们是些什么人,搞的什么鬼,不是很清楚吗?直到今天你们还要负隅顽抗,你们还想“坚守岗位”来破坏文化革命。告诉你们,螳臂挡不住车轮,蚍蜉撼不了大树。这是白日作梦!

一切革命的知识分子,是战斗的时候了!让我们团结起来,高举毛泽东思想的伟大红旗,团结在党中央和毛主席的周围,打破修正主义的种种控制和一切阴谋鬼计,坚决、彻底、干净、全部地消灭一切牛鬼蛇神、一切赫鲁晓夫式的反革命的修正主义分子,把社会主义革命进行到底。

保卫党中央!

保卫毛泽东思想!

保卫无产阶级专政!

哲学系 聂元梓 宋一秀 夏剑豸 杨克明    赵正义 高云鹏 李醒尘

一九六六年五月二十五日

原载《人民日报》1966年6月2日第一版。转录时可能有极个别错误。引用时请参照原文。

“夜话”2026年第6期,2026年6月1日

《横扫一切牛鬼蛇神》的社论

【胡景北注:六十年前的1966年6月1日,《人民日报》发表这篇社论。现在转载于这里。】

横扫一切牛鬼蛇神

《人民日报》社论,1966年6月1日

一个无产阶级文化大革命的高潮,正在占世界人口四分之一的社会主义中国兴起。

在短短的几个月内,在党中央和毛主席的战斗号召下,亿万工农兵群众、广大革命干部和革命的知识分子,以毛泽东思想为武器,横扫盘踞在思想文化阵地上的大量牛鬼蛇神。其势如暴风骤雨,迅猛异常,打碎了多少年来剥削阶级强加在他们身上的精神枷锁,把所谓资产阶级“专家”、“学者”、“权威”、“祖师爷”打得落花流水,使他们威风扫地。

毛主席教导我们,在我国,在所有制的社会主义改造基本完成以后,阶级斗争并没有结束。“无产阶级和资产阶级之间的阶级斗争,各派政治力量之间的阶级斗争,无产阶级和资产阶级之间在意识形态方面的阶级斗争,还是长时期的,曲折的,有时甚至是很激烈的。无产阶级要按照自己的世界观改造世界,资产阶级也要按照自己的世界观改造世界。在这一方面,社会主义和资本主义之间谁胜谁负的问题还没有真正解决。”我国解放十六年以来,无产阶级和资产阶级在意识形态领域内的阶级斗争,一直是十分激烈的。目前的社会主义文化大革命,正是这个斗争的继续发展。这场斗争是不可避免的。无产阶级和一切剥削阶级的意识形态是根本对立的,是不能和平共处的。无产阶级革命,是要消灭一切剥削阶级、消灭一切剥削制度的革命,是要逐步消灭工农之间、城乡之间、脑力劳动和体力劳动之间的差别的最彻底的革命,这不能不遇到剥削阶级最顽强的反抗。

革命的根本问题是政权问题。上层建筑的各个领域,意识形态、宗教、艺术、法律、政权,最中心的是政权。有了政权,就有了一切。没有政权,就丧失一切。因此,无产阶级在夺取政权之后,无论有着怎样千头万绪的事,都永远不要忘记政权,不要忘记方向,不要失掉中心。忘记了政权,就是忘记了政治,忘记了马克思主义的根本观点,变成了经济主义、无政府主义、空想主义,那就是糊涂人。无产阶级和资产阶级之间在意识形态领域内的阶级斗争,归根到底,就是争夺领导权的斗争。剥削阶级的枪杆子被缴械了,印把子被人民夺过来了,但是,他们脑袋里的反动思想还存在着。我们推翻了他们的统治,没收了他们的财产,并不等于没收了他们脑袋里的反动思想。剥削阶级统治了劳动人民几千年,他们垄断了由劳动人民创造的文化,反过来用以欺骗、愚弄、麻醉劳动人民,巩固他们的反动政权。几千年来,他们的思想是统治的思想,在社会上不能不有广泛的影响。他们的反动统治被推翻以后,他们是不死心的,总是企图利用他们过去这类的影响,为资本主义在政治上、经济上的复辟进行舆论准备。解放十六年来思想文化战线上的连续不断的斗争,直到这次大大小小“三家村”反党反社会主义黑线的被揭露,就是一场复辟和反复辟的斗争。

在资产阶级革命时期,资产阶级为了夺取政权,也是首先从意识形态上进行准备,搞资产阶级的文化革命。资产阶级革命是由一个剥削阶级代替另一个剥削阶级,尚且要经过多次反复,经过多少次的革命、复辟和反复辟的斗争。资产阶级革命从思想准备到夺取政权,在欧洲的许多国家,都进行了几百年之久。无产阶级革命是彻底结束一切剥削制度的革命,更不能幻想剥削阶级会乖乖地听任无产阶级剥夺他们的一切特权,而不想恢复他们的统治。他们人还在,心不死,必然要象列宁所说的那样,以十倍的疯狂,来企图恢复他们失去的天堂。赫鲁晓夫修正主义集团在苏联篡党,篡军,篡政,这个事实,对全世界无产阶级说来,是一个非常严重的教训。目前中国那些资产阶级代表人物,那些资产阶级“学者权威”,他们所做的,就是资本主义复辟的梦。他们的政治统治被推翻了,但是他们还是要拼命维持所谓学术“权威”,制造复辟舆论,同我们争夺群众,争夺年青一代和将来一代。

资产阶级进行反封建的文化革命,到夺得政权的时候就结束了。无产阶级的文化革命,是反对一切剥削阶级意识形态的文化革命。这种文化革命的性质,同资产阶级的文化革命是截然不同的。这种文化革命,只有在无产阶级夺得政权以后,取得了政治的、经济的、文化的先决条件,才能为这种文化革命开辟最广阔的道路。

无产阶级文化革命,是要彻底破除几千年来一切剥削阶级所造成的毒害人民的旧思想、旧文化、旧风俗、旧习惯,在广大人民群众中,创造和形成崭新的无产阶级的新思想、新文化、新风俗、新习惯。这是人类历史上空前未有的移风易俗的伟大事业。对于封建阶级和资产阶级的一切遗产、风俗、习惯,都必须用无产阶级的世界观加以透彻的批判。在人民生活中清除旧社会的恶习,是需要时间的。但是,解放以来的经验证明,如果充分发动了群众,走群众路线,使移风易俗成为真正广大的群众运动,那末,见效就可能快起来。

资产阶级的文化革命,是为少数新剥削阶级服务的,它只能由少数人参加。无产阶级的文化革命,是为广大劳动人民服务的,和最大多数劳动人民的利益是一致的。所以,它能吸引和团结广大劳动人民参加。资产阶级启蒙人物,总是卑视群众,把群众当作愚民,把自己看成是人民的当然支配者。无产阶级思想革命家同他们根本相反,是全心全意为人民服务的,目的是在唤起人民群众的自觉,为最广大的人民群众的利益而奋斗。

资产阶级的卑鄙的自私自利,抑制不住自己对于人民群众的仇恨心。马克思说:“政治经济学所研究的材料的特殊性质,会把人心中最激烈最卑鄙最恶劣的感情,代表私人利益的仇神,召唤到战场上来反对它。”被推翻了的资产阶级也还是这样。

目前,我国无产阶级文化大革命的规模和声势,在人类历史上还不曾有过,它的威力之大、来势之猛,在运动中所迸发出的劳动人民无限的智慧,远远超出了资产阶级老爷们的想象。事实雄辩地证明,毛泽东思想一旦掌握了群众,就成为威力无穷的精神原子弹。这一场文化大革命,正在大大推动中国人民社会主义事业的前进,也必将对世界的现在和未来,发生不可估量的深远影响。

我国轰轰烈烈的文化大革命,引起了帝国主义、现代修正主义和各国反动派的惊慌和混乱。他们一会儿想入非非,说什么我们的文化大革命,表明了中国下一代“和平演变”已经有了希望呀;他们一会儿又悲观失望,说什么一切消息表明,共产党的统治还是十分巩固呀;他们一会儿又表现出无限迷茫,说什么要对中国所发生的事情随时作出准确判断的真正的“中国通”是永远不可能有的呀。亲爱的先生们,你们的胡思乱想总是同历史的发展背道而驰的。人类历史上空前的这一场无产阶级文化大革命的开展和胜利,敲响了中国土地上残存的资本主义势力的丧钟,也敲响了帝国主义、现代修正主义和一切反动派的丧钟。你们的日子不会长久了。

让我们在伟大的毛泽东思想的光辉照耀下,将无产阶级文化革命进行到底。这一场文化革命的胜利,必将进一步巩固我国无产阶级专政,保证我们在各个战线上把社会主义革命进行到底,保证我们将由社会主义胜利地过渡到伟大的共产主义!

(完)

“夜话”2026年第5期,2026年5月31日

注:转录时可能有极个别错误。引用时请参照原文。

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又注:该文于加州时间2026年5月30日22:00-23:00(北京时间5月31日13:00-14:00) 发到公众号上;5月31日9:24 (北京时间6月1日 0:24) 接到封禁通知。

由于我仅仅在该社论前后分别加了一个说明情形的注,而无任何褒贬之意,不至于“涉嫌违法相关法律法规和政策”,所以,封禁的原因应当仅仅在于社论本身。